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Unmittelbar nach der Rückkehr des Instituts für Sozialforschung aus dem US-amerikanischen Exil nach Frankfurt bewarb sich ein junger Student bei Theodor W. Adorno um Mitarbeit: Ludwig von Friedeburg, Sohn des letzten Oberbefehlshabers der deutschen Kriegsmarine und selbst deren jüngster U-Boot-Kommandant im Zweiten Weltkrieg. Das erste gemeinsame Projekt war das berühmte »Gruppenexperiment«, jene von den US-Besatzungsbehörden finanzierte Studie, mit der die Demokratiefähigkeit der deutschen Bevölkerung nach NS-Diktatur, Vernichtungskrieg und Völkermord ermittelt werden sollte. Nach Abschluss des Vorhabens schrieb von Friedeburg begeistert von dem »ganz besonderen Geist« des Instituts für Sozialforschung und von der »geradezu beispielhaften Art des Teamworks in ihm«.
Es war der Beginn einer langjährigen Zusammenarbeit und freundschaftlichen Beziehung, die bis zu Adornos Tod währte, wie die in diesem Band versammelten Briefe, Memoranden und Gesprächsprotokolle zeigen. Darüber hinaus dokumentieren sie die Geburtsstunde der empirischen Sozialforschung in der Bundesrepublik und lassen erkennen, wie maßgeblich die beiden an der Neugründung der Soziologie als akademischer Disziplin beteiligt waren.
A propos de l'auteur
Theodor W. Adorno wurde am 11. September 1903 in Frankfurt am Main geboren und starb am 06. August 1969 während eines Ferienaufenthalts in Visp/Wallis an den Folgen eines Herzinfarkts. Von 1921 bis 1923 studierte er in Frankfurt Philosophie, Soziologie, Psychologie und Musikwissenschaft und promovierte 1924 über
Die Transzendenz des Dinglichen und Noematischen in Husserls Phänomenologie. Bereits während seiner Schulzeit schloss er Freundschaft mit Siegfried Kracauer und während seines Studiums mit Max Horkheimer und Walter Benjamin. Mit ihnen zählt Adorno zu den wichtigsten Vertretern der 'Frankfurter Schule', die aus dem Institut für Sozialforschung an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt hervorging. Sämtliche Werke Adornos sind im Suhrkamp Verlag erschienen.
Texte suppl.
»Der Briefwechsel zwischen Theodor W. Adorno und Ludwig von Friedeburg gibt einen Einblick in die universitären Alltagsprobleme einer Disziplin, die sich ihren Platz im Rang der Wissenschaften sichern oder bewahren musste; er zeigt die emotionale und intellektuelle Sorgfalt des Älteren gegenüber dem Jüngeren und dessen Bereitschaft ein Vorbild zu würdigen ohne es zu imitieren.«
Commentaire
»... in aufwendiger Recherche zusammengetragen ... Ein umfangreicher Fundus ergänzender Dokumente und Erläuterungen ist der Korrespondenz beigefügt. Der Schriftverkehr zeichnet neben dem Einblick, den er in den Neubeginn der Soziologie in Deutschland nach der Hitlerdiktatur gibt, das Bild einer sich vertiefenden, wenn auch unwahrscheinlichen Freundschaft zweier der wichtigsten Theoretiker der Kritischen Theorie.« Kira Kramer Frankfurter Allgemeine Magazin 20240719