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Maurice Halbwachs über die christliche Erinnerung
In dieser Untersuchung nimmt Maurice Halbwachs lange nach seiner Arbeit über das "kollektive Gedächtnis" erneut eine Fragestellung auf, die die Grenzen der Humanwissenschaften neu bestimmte. Seine Untersuchung zum geschichtlichen Wandel der christlichen Überlieferung zeichnet den Zugriff religiöser Gruppen auf die materiellen und räumlichen Bedingungen ihres Gedenkens nach und zeigt, auf welche Weise sich das religiöse Gedächtnis selbst eine Ordnung, einen Rahmen des Erinnerns gibt, der sich in geographischer Kontinuität versinnbildlicht. Das sich gegenseitig Dauer sichernde Verhältnis von materiellem und repräsentiertem Raum, eines Raums, der immer deutlicher die Spuren seiner gesellschaftlichen Bestimmungsgründe trägt und so als Möglichkeitsbedingung einer subjektiven Zeit entsteht, sieht Halbwachs als historisches Ergebnis einer unablässigen Arbeit sozialer Gruppen, ihrer kollektiven Aneignung von Raum und Zeit.
Table des matières
Aus dem Inhalt: Der Pilger von Bordeaux - Bethlehem - Abendmahlssaal und Davidsgrab - Der Richtsaal des Pilatus - Die Via Dolorosa - Der Ölberg - Nazareth - Der See Genezareth - Stefan Egger: Auf den Spuren der "verlorenen Zeit" - Maurice Halbwachs und die Wege des "kollektiven Gedächtnisses" (Nachwort)
A propos de l'auteur
Maurice Halbwachs (1877-1945), Schüler von Henri Bergson, Philosoph und Ökonom, war eines der namhaftesten Mitglieder der ecole sociologique Durkheims. Seit 1919 hatte Maurice Halbwachs eine Professur für Soziologie in Straßburg inne, die erste Professur für Soziologie überhaupt. Er pflegte enge Beziehungen zum Kreis der nouvelle histoire um Lucien Febvre und Marc Bloch. Ab 1935 war Halbwachs Nachfolger von Celestin Bougle an der Sorbonne und seit 1944 Lehrstuhlinhaber für Sozialpsychologie am College de France. Maurice Halbwachs starb im März 1945 im Konzentrationslager Buchenwald.
Franz Schultheis ist Professor für Soziologie an der Universität St. Gallen. Er ist u.a. Mitglied des Schweizer Wissenschafts- und Technologierates, Präsident der Fondation Pierre Bourdieu sowie Redaktionsmitglied von "Actes de la Recherche en Sciences Sociales".
Commentaire
"Die historiografische Bedeutung des Buchs ist auf den ersten Blick erkennbar."
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