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»Als Psychoanalytiker weiß man, daß alle Geschichten letztlich von Liebe reden. Die Klage jener, die in meiner Gegenwart stammelnd erzählen, rührt stets von einem Mangel an Liebe - sei es in der Vergangenheit oder in der Gegenwart, sei es ein wirklicher oder ein imaginärer Mangel. Unsere Gesellschaft verfügt über keinen Liebeskode mehr. Wir sind gezwungen, in jeder privaten, intimen Erzählung die Spuren jenes Leidens zu entziffern. Als Idealisierung, als Erschütterung, als Ubersteigerung, Leidenschaft, Bedürfnis nach Vereinigung und Unsterblichkeit bildet die Liebe die Figuration unlösbarer Widersprüche, ist sie das Laboratorium unseres Schicksals. Philosophie, Religion, Gedicht, Roman? Alles Liebesgeschichten. Von Platon bis Thomas von Aquin, von Romeo und Julia bis Don Juan, von den Minnesängern bis zu Stendhal, von der Madonna Raphaels bis Baudelaire und Bataille. Die großen künstlerischen Werke reden von nichts anderem als dem, was, Tag für Tag, im stillen laut wird.» Julia Kristeva
Inhaltsverzeichnis
Lob der Liebe
Freud und die Liebe: Das Unbehagen in der Kur
Manischer Eros, sublimer Eros: Über die männliche Sexualität
Ein heiliger Wahn: Er und sie
Narziß: Die neue Dementia
Unsere Religion: Der Schein
Gott ist Agape
Ego affectus est
Ratio diligendi oder Der Triumph des Eigenen
Don Juan oder Die Liebe zum Können
Romeo und Julia: Das Paar der Haßliebe
Stabat Mater
Liebesleid: Das Feld der Metapher
Die Troubadours: Vom »grofen héfischen Lied« zur allegorischen Erzählung
Reines Schweigen: Die Vollkommenheit der Jeanne Guyon
Baudelaire oder Über Unendlichkeit, Duft und Punk
Stendhal und die Politik des Blicks
Die Sonne Bataille oder Der schuldige Text
Liebeshungrige Auferirdische
Anmerkungen
Über den Autor / die Autorin
Julia Kristeva, geb. in Bulgarien, seit 1966 in Frankreich lebend, gehört zu den renommiertesten Sprachwissenschaftlerinnen und Psychoanalytikerinnen sowie kritischen intellektuellen Frankreichs. 2004 erhielt sie den norwegischen Holberg-Preis, 2006 den Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken; zahlreiche Ehrendoktorwürden, Auszeichnungen und Preise. Sie ist Professorin am Institut Universitaire de France und schrieb einflussreiche Bücher über Psychoanalyse, Literatur und Sprache.
Zusammenfassung
»Als Psychoanalytiker weiß man, daß alle Geschichten letztlich von Liebe reden. Die Klage jener, die in meiner Gegenwart stammelnd erzählen, rührt stets von einem Mangel an Liebe – sei es in der Vergangenheit oder in der Gegenwart, sei es ein wirklicher oder ein imaginärer Mangel. Unsere Gesellschaft verfügt über keinen Liebeskode mehr. Wir sind gezwungen, in jeder privaten, intimen Erzählung die Spuren jenes Leidens zu entziffern. Als Idealisierung, als Erschütterung, als Ubersteigerung, Leidenschaft, Bedürfnis nach Vereinigung und Unsterblichkeit bildet die Liebe
die
Figuration unlösbarer Widersprüche, ist sie das Laboratorium unseres Schicksals. Philosophie, Religion, Gedicht, Roman? Alles Liebesgeschichten. Von Platon bis Thomas von Aquin, von
Romeo und Julia
bis
Don Juan,
von den Minnesängern bis zu Stendhal, von der Madonna Raphaels bis Baudelaire und Bataille. Die großen künstlerischen Werke reden von nichts anderem als dem, was, Tag für Tag, im stillen laut wird.»
Julia Kristeva