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Zum umfangreichen Werk des französischen Dichters Jean Genet gehören neben der Lyrik und den Romanen eine Vielzahl von Theaterstücken. Diese sind längst Teil des klassischen Theater-Repertoires und werden auch in Deutschland regelmäßig aufgeführt. Weniger bekannt ist, dass Genet fast alle seine Theaterstücke teilweise mehrfach überarbeitet hat. Im Rahmen der Werkausgabe werden die von der endgültigen Fassung abweichenden, für das Genet'sche Theaterverständnis wesentlichen Änderungen, Zusätze und Streichungen sichtbar gemacht. Friedrich Flemming erläutert in seiner editorischen Notiz die Publikationsgeschichte der enthaltenen Werke, von denen einige zeitweilig in Frankreich nicht aufgeführt werden konnten. Der Theaterverleger Andreas J. Meyer, der Jean Genet als Bühnenautor in Deutschland durchsetzte, positioniert das Bühnenwerk Genets im Umfeld der europäischen, insbesondere der französischen Theaterliteratur um die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts. Er setzt sich mit den grundsätzlichen Missverständnissen auseinander, denen der Anspruch Genets und seiner Stücke bei vielen deutschen Theatern zunächst begegnete, bevor ihre Bedeutung erkannt wurde und Hans Lietzau am Schillertheater in Berlin, Gerhard F. Hering in Darmstadt und Piscator in Frankfurt in Maßstäbe setzenden Inszenierungen die internationale Anerkennung Genets einleiteten.
Inhaltsverzeichnis
Unter Aufsicht, Die Zofen, Der Balkon, Die Neger
Über den Autor / die Autorin
Jean Genet 1910 in Paris geboren, gestorben 1986.§Das Kind wird von der öffentlichen Fürsorge einer Handwerkerfamilie im Morvan anvertraut. Mit 13 Jahren verläßt er die Schule mit der Berechtigung zum Besuch weiterführender Anstalten. Aber die Atmosphäre der einem Zögling der öffentlichen Fürsorge offenstehenden Institutionen entspricht nicht den verwöhnten Freiheitsgewohnheiten des belesenen und begabten Jungen. Er läuft davon, landet schließlich in der berüchtigten "landwirtschaftlichen Erziehungskolonie" Mettray. Von dort verpflichtet er sich zum Militärdienst und verbringt einige Jahre als Soldat im Libanon, in Syrien und in Marokko. Nach Kreuz- und Querfahrten durch Europa kehrt er nach Paris zurück, schlägt sich irgendwie durch, und wird schließlich von Cocteau entdeckt, für den "seine Gedichte das einzige große Ereignis der Epoche" bedeuten. Ab 1944 erscheinen seine Romane, um 1960 wird er als Dramatiker weltberühmt und 1983 mit dem Französischen Nationalpreis ausgezeichnet.