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"Soll ich meinem Freund sagen, daß ich bi bin?" "Warum habe ich mit 17 keine Lust auf Sex?" Michel Foucault wurde mit der These berühmt, die Moderne verlange von jedem, die eigene Sexualität zum Thema zu machen. Nirgendwo lassen sich dafür bessere Belege finden als auf den Webseiten einschlägiger Zeitschriften. Von den Antworten hängt es ab, ob sich die fragenden Subjekte als "Ladys oder Loser", als "Prinzen oder Prolls", als normal oder pathologisch konstituieren. Ein Vorläufer dieser Beratungsformate war die Kolumne "Liebe Marta", das Schweizer Pendant zum deutschen "Dr.-Sommer-Team". Die Analyse der Briefe, die die Kolumnistin in den letzten Jahrzehnten erhielt und persönlich beantwortete, steht im Mittelpunkt dieses Bandes. Sie wird ergänzt von Beiträgen zur Genealogie und Theorie der Sexratgeberkommunikation vom Schulmädchen- über den Kinsey-Report bis zu neuen Formen der Online-Beratung.
Inhaltsverzeichnis
I. Lesen, schreiben, zeigen
Einführung
Alfred Messerli: Zur Geschichte der Medien des Rates
Rudolf Helmstetter: Der stumme Doctor als guter Hirte. Zur Genealogie der Sexualratgeber
Franz X. Eder: Das Sexuelle beschreiben, zeigen und aufführen. Mediale Strategien im deutschsprachigen Sexualdiskurs von 1945 bis Anfang der siebziger Jahre
Lutz Sauerteig: »Wie soll ich es nur anstellen, ohne etwas falsch zu machen?« Der Rat der Bravo in Sachen Sex in den sechziger und siebziger Jahren
Annika Wellmann: Die Produktion des Beziehungssex. Strategien einer boulevardmedialen Ratgeberrubrik der achtziger und neunziger Jahre
Beatrice Schwitter: Ich auch. Intertextualität in Leserbriefen an die »Liebe Marta«
Heinz Bonfadelli: Talkshows und ihre Zuschauer. Zwischen Beratung, Orientierung und Sensationssuche
II. Rat geben, Rat suchen
Einführung
Peter-Paul Bänziger: Von der Suche nach einem Problem und welche Funktion der Sex dabei haben kann
Peter Fuchs: Liebe, Sex und Beratung. Essayistische Überlegungen zu einem seltsamen Symbionten
Stefanie Duttweiler: »Liebe Marta« und »Frag Beatrice«. Vom Leserbrief zum virtuellen Rat
Sabine Maasen: Sexualberatung auf dem Boulevard. Ein Beitrag zur Genealogie normalistischer Selbstführungskompetenz
Philipp Sarasin: Transgender – straight sex. Sexuelle Körper und die symbolische Ordnung bei Michel Foucault und der »Lieben Marta«
Über den Autor / die Autorin
Philipp Sarasin; Ordinarius für Neuere Geschichte am Historischen Seminar der Universität Zürich. Forschungsschwerpunkte: Kulturgeschichte der Wissenschaften, der Körpergeschichte und der Theorie der Geschichtswissenschaft.
Zusammenfassung
»Soll ich meinem Freund sagen, daß ich bi bin?« – »Warum habe ich mit 17 keine Lust auf Sex?« – Michel Foucault wurde mit der These berühmt, die Moderne verlange von jedem, die eigene Sexualität zum Thema zu machen. Nirgendwo lassen sich dafür bessere Belege finden als auf den Webseiten einschlägiger Zeitschriften. Von den Antworten hängt es ab, ob sich die fragenden Subjekte als »Ladys oder Loser«, als »Prinzen oder Prolls«, als normal oder pathologisch konstituieren. Ein Vorläufer dieser Beratungsformate war die Kolumne »Liebe Marta«, das Schweizer Pendant zum deutschen »Dr.-Sommer-Team«. Die Analyse der Briefe, die die Kolumnistin in den letzten Jahrzehnten erhielt und persönlich beantwortete, steht im Mittelpunkt dieses Bandes. Sie wird ergänzt von Beiträgen zur Genealogie und Theorie der Sexratgeberkommunikation vom Schulmädchen- über den Kinsey-Report bis zu neuen Formen der Online-Beratung.
Bericht
"Trotz seines reißerischen Namens Fragen Sie Dr. Sex handelt es sich bei dem zur Rezension stehenden Titel um ein seriöses Sachbuch. ... Die zwölf Autoren führen an jene Orte, an dem der Diskurs des Sexuellen nicht nur unterhält und erregt, sondern so genannte Experten auftreten läßt."
Michael Saager readmypony.com