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Der BND verlor in den letzten Amtsjahren Konrad Adenauers das Vertrauen der Bonner Regierung. Ausschlaggebend waren für den Kanzler Illoyalität und Verrat im Dienst, NS-Belastung und Leistungsschwäche. Dennoch gelang es dem BND-Präsidenten Reinhard Gehlen, sich bis 1968 der politischen Kontrolle durch Regierung und Parlament weitgehend zu entziehen und nach außen ein positives Image zu bewahren. Dabei entglitt ihm die Führung des Nachrichtendienstes nach innen. Medienpolitik und Lobbyismus ersetzten weitgehend die nachrichtendienstliche Aufklärung. Erst durch die Reformen nach Gehlens Abgang gelang es, den BND zu einer wirksamen Behörde der Auslandsaufklärung zu machen.
Jost Dülffer konnte u.a. die Akten des BND-Archivs und des Kanzleramts uneingeschränkt einsehen und legt hier eine umfassende Geschichte der Spätphase der Ära Gehlen vor.
(Band 8 der Veröffentlichungen der Unabhängigen Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes 1945-1968)
Bericht
Jost Dülffer bietet keine klassische Geheimdienstgeschichte und schildert keine aufregenden nachrichtendienstlichen Aktionen. Ihn interessiert vor allem die Rolle von Geheimdiensten in einer liberalen Demokratie, und dies macht sein Buch zugleich sehr aktuell. Constantin Goschler, Süddeutsche Zeitung Unpolemisch arbeitet Dülffer heraus, welche Spielräume der BND im Regierungs- und Verwaltungsapparat der jungen Bundesrepublik hatte und in welchem Ausmaß der Chef des Dienstes diese Spielräume aus verletzter Eitelkeit und Geltungsbedürfnis missbraucht hat. Das ist ein wichtiges Buch. Anselm Doering-Manteuffel, Frankfurter Allgemeine Zeitung Keine der mehr als 600 Seiten ist zu viel! Heiner Möllers, Sehepunkte