Beschreibung
Produktdetails
Kundenrezensionen
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Düsteres Fantasyabenteuer
Gestaltung:
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Optisch ist das Buch klasse! Das Hardcover ist sehr wertig, es fehlt nur ein Lesebändchen. Das Titelbild ist düster, aber geheimnisvoll, da die Titelschrift in goldenen Lettern gestaltet ist und zwischen den dunklen Tönen die hellen Lichter hervorleuchten. Auch das Innere kann mit einer Übersichtskarte sowie liebevollen Schwarz-Weiß-Illustrationen überzeugen.
Inhalt:
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Benjamiah, auch Ben genannt, hilft in der Secondhand-Buchhandlung seiner Oma aus. Er hat keine Freunde und die Buchhandlung ist für ihn ein idealer Rückzugsort, zumal er an Wissenschaft glaubt und viele Sachbücher liest. Seine Eltern sind beruflich viel unterwegs und streiten immer häufiger. Eines Tages erhält er eine Puppe per Post, mit der seltsame Dinge vorgehen. Als er ihr eines Nachts in den Keller folgt, findet er sich plötzlich in einer anderen Welt wieder: Whisperwicks. Dort nimmt ihn Hansel zunächst unter seine Fittiche. Sein Sohn Edwid ist vor einiger Zeit verschwunden. Seitdem hat sich dessen Zwillingsschwester Elizabella in sich zurückgezogen. Auch Ben gegenüber verhält sie sich zunächst ablehnend. Das ändert sich jedoch mit der Zeit, als er sie überzeugt, ihr bei der Suche nach ihrem Bruder zu helfen.
Gemeinsam wagen sie die gefährliche Suche nach den Flüsterflammen, die wie eine Schnitzeljagd nach und nach Hinweise auf Edwids Verbleiben enthalten. Werden sie ihn finden und heil wieder zu Hause ankommen?
Mein Eindruck:
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»Wie Halfpenny gesagt hat, jeder Mensch hat eine Seelenpuppe, jede Seelenpuppe einen Menschen. Wir gehen nirgends ohne sie hin. Wenn wir sterben, dann sterben auch unsere Seelenpuppen. Umgekehrt genauso, wenn unsere Seelenpuppen im Kampf sterben, sterben wir mit ihnen. Eine Nadel durch das Herz unserer Seelenpuppe würde uns auch töten.« [...]
»Aber was ist eine Seelenpuppe?«, fragte Benjamiah. »Hat sie einen Mechanismus wie die mechanischen Tiere? Oder ... oder ...«
Ihm fiel keine andere rationale Erklärung ein. Und er wusste ganz genau, dass die Stoffpuppen nicht mechanisch waren. Die in seiner Hand bestand aus Stoff und Watte, Knöpfen und Fäden, und sie war leichter als eine Packung Zucker.
»Nein, keinen Mechanismus«, sagte Hansel. »Sie sind unsere Freunde. Und eine Möglichkeit, Magie zu wirken. [ ...] «(S. 114f)
Das Buch beginnt mit einem Prolog und einem Cliffhanger, der einen direkt in die Handlung hineinkatapultiert. Unmittelbar danach folgt ein Sprung in Bens Leben in der Buchhandlung, und man fragt sich sofort, welchen Zusammenhang sein Leben zu der ersten Szene im Roman hat. Das allein lässt einen das Buch schon nicht aus der Hand legen.
Das weitere Rätsel ist die Seelenpuppe, die Ben zugesendet bekommt. Erst nach und nach versteht man, was es damit auf sich hat und weshalb Ben sie erhalten hat.
Die magische Welt, die der Autor entwirft, ist sehr interessant, aber auch sehr düster. Auf der einen Seite ähnelt sie der realen Welt, auf der anderen Seite spielt er mit Sitten und Gebräuchen und verwandelt sie ins Gegenteil. So sind Farben (wie z. B. Augenfarben) sehr wertvoll, d. h. ärmere Menschen laufen ggf. irgendwann nur noch grau durch die Gegend, während Reiche sich alle Farben leisten können und diese sammeln und abwechselnd tragen können. Jemandem eine Münze zu geben, bedeutet ein Versprechen, das nicht gebrochen werden darf, sonst kann man nie wieder ein Versprechen geben und wird von der Gemeinschaft ausgestoßen.
Zwischen den Zeilen gab es Vieles, woran man merkte, dass der Autor sich viele Gedanken über menschliche Gefühle und Beziehungen gemacht hat.
Dafür empfand ich das Abenteuer durch die magische Welt etwas unausgegoren. Manche Szenen waren recht gruselig und die Kämpfe mit bösen Kreaturen etwas grausam für die Zielgruppe von 11 Jahren. Meine 12-jährige Tochter wollte das Buch nach dem ersten Kapitel gar nicht mehr weiterlesen, weil sie es zu unheimlich fand. So habe ich es alleine zu Ende gelesen.
Insgesamt habe ich mi -
Magische Schnitzeljagd mit Gruselfaktor
Der Junge Benjamiah, der unter den Streigkeiten seiner Eltern leidet und über der Familienbuchhandlung "Es war einmal" lebt, ist eher der rationale Typ. Statt in Fantasyschmöckern oder Märchen kann er stundenlang in Sachbüchern jeglicher Art abtauchen. Für alles gibt es in seinen Augen eine logische Erklärung, für jedes Problem eine Lösung. Doch als er im Keller eine geheimnisvolle Türe entdeckt, die ihn in die Welt der Puppenmagier entführt, in der die logische Vernunft plötzlich keine Rolle mehr spielt, steht seine Welt Kopf. Gemeinsam mit dem Mädchen Elizabella sucht er in den labyrinthhaften Straßen von Winkelwald nach deren verschollenem Zwillingsbruder und einem Weg zurück nach Hause.
Die Geschichte ist angelehnt an die griechische Sage um den Minotaurus. Nach einem starken spannungsgeladenen Einstieg entfaltet sie sich eher gemächlich. Statt actionreicher Handlung glänzt das Buch durch durch eine düster-mystische Atmosphäre. Langsam gewinnen wir gemeinsam mit Benjamiah immer mehr Einblicke in die Hintergründe von Edwids Verschwinden und die Mechanismen der magischen Welt. Schön ist es auch, die Entwicklung der zunächst unterkühlten Beziehung zwischen Benjamiah und Elizabella zu begleiten, bevor am Ende alle (roten) Fäden zu einem fulminanten Finale zusammenführen.
Ein literarischer Fantasyschmöker für alle, die in eine originelle stimmige Welt eintauchen möchten und einer rätselhaft-magischen Quest in gruselig-düsterer Atmosphäre mehr abgewinnen können als einem actiongeladenen Pageturner.
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