Mehr lesen
Nach der Corona-Pandemie sind heute zwei Narrative dominant: im allgemeinen Diskurs ein Nichts-mehr-davon-wissen-wollen, im populistischen Diskurs eine Politisierung der Einschätzung des staatlichen Umgangs mit Covid-19 als Symptom eines angeblichen Systemversagens. Das Buch will der Amnesie des kulturellen Gedächtnisses über die Pandemiewirklichkeit entgegenwirken: Es rekonstruiert damalige Affekt- und Gefühlslandschaften am Beispiel von autofiktionaler Literatur, Hollywood-Blockbustern wie »Barbie« oder deutschen Fernsehformaten wie dem »Tatort«. Entgegen der Annahme, man habe schnell zur alten Normalität zurückgefunden, lassen sich dort zentrale Verschiebungen in den Domänen Freiheit, Liebe, Alter und Tod einer Neuen Normalität beobachten: Es werden zerstörerische Momente der okzidentalen Freiheitswut problematisiert, der Mythos der romantischen Liebe als Herrschaftsform herausgefordert, und man begegnet einer neuen Akzeptanz des Alters und einer Rückholung des Sterbens ins Leben.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung ...........................................................11Fiktionen einer Kultur der Quarantäne ..............................13Von den Schwierigkeiten, eine Pandemie zu erzählen .................16Nicht verstehen ...................................................18Intersektionalität ..................................................20Vier Metanarrative .................................................23Verschiebungen ...................................................30Gedächtnispolitik .................................................32Forschungsübersicht ...............................................34Kapitelstruktur ....................................................35Coda .............................................................371. Unheimliche Präsenz ..............................................39Sehen und Zeigen .................................................39Tatort Pandemie ...................................................41Lockdown - Lockout - Lockin ......................................47Big Screen ........................................................48Klassenverachtung Techno-Eliten und Unsterblichkeit ................532. Zerbrochene Spiegel ...............................................59Autofiktion als Archiv für Alltagserfahrung ...........................59Das ohnmächtige Ich ..............................................61Gekränkte Freiheit - Spuren von Quer ...............................64Neuverhandlung von Geschlechtergerechtigkeit ......................68Autofiktion-Autobiographie-Autotheorie ............................733. Romantische Tragödie - Lockdown Love .............................79Liebe - Strategie und Versprechen ..................................79Genregeschichte als Zeitgeschichte ..................................81Lockdown Love ....................................................82Quarantäne als moralische Anstalt ..................................84In Serie gehen .....................................................89Die Dramedy ......................................................90Die neue Corona-Frau .............................................91Finale Lösung .....................................................954. Weiße Scham - I Can't Breathe .....................................99Die Ermordung von George Floyd ...................................99Affektbrücke Weiße Scham .........................................101Whiteness als Kategorie ............................................102Der Mann, der nicht aus seiner Haut kann ...........................104Racial Reckoning in der Workplace-Sitcom SUPERSTORE .............105Racial Reckoning in der Mittelklasse - Dramaserien ..................1085. Sterben lernen ....................................................115Anamnese ........................................................115Der Tod in der Krankenhausserie ...................................117Rahmungen .......................................................120Zwischen Tod und Leben - Der Hades ...............................130Eine Krankengeschichte ............................................1326. Der Wert des Lebens ...............................................135Moralische Ökonomie des Lebens ...................................135Schutzwürdigkeit des Alters ........................................137Alt gegen Jung .....................................................140Den Tod ins Leben holen ...........................................1497. Vergessene Völkermorde und postkoloniale Verwerfungen .............153Der andere Sozialdarwinismus .....................................153Ein vergessener Völkermord ........................................154Vulnerabilität und Betrauerbarkeit ..................................159Postkoloniale Kritik ................................................1648. Post-pandemische Zwischenbilanzen ................................169'New Normal' oder Back to
Über den Autor / die Autorin
Dr. Gabriele Dietze, geboren in Wiesbaden, war nach ihrem Studium der Germanistik und Philosophie in Frankfurt/M. von 1980 bis 1990 Lektorin für Gegenwartsliteratur im Rotbuch Verlag. Sie forschte und lehrte an der Humboldt Universität zu Berlin in Kulturwissenschaft, Gender- und Medienstudien. Zuletzt war sie Gastprofessin am Dartmouth College.
Zusammenfassung
Nach der Corona-Pandemie sind heute zwei Narrative dominant: im allgemeinen Diskurs ein Nichts-mehr-davon-wissen-wollen, im populistischen Diskurs eine Politisierung der Einschätzung des staatlichen Umgangs mit Covid-19 als Symptom eines angeblichen Systemversagens. Das Buch will der Amnesie des kulturellen Gedächtnisses über die Pandemiewirklichkeit entgegenwirken: Es rekonstruiert damalige Affekt- und Gefühlslandschaften am Beispiel von autofiktionaler Literatur, Hollywood-Blockbustern wie »Barbie« oder deutschen Fernsehformaten wie dem »Tatort«. Entgegen der Annahme, man habe schnell zur alten Normalität zurückgefunden, lassen sich dort zentrale Verschiebungen in den Domänen Freiheit, Liebe, Alter und Tod einer Neuen Normalität beobachten: Es werden zerstörerische Momente der okzidentalen Freiheitswut problematisiert, der Mythos der romantischen Liebe als Herrschaftsform herausgefordert, und man begegnet einer neuen Akzeptanz des Alters und einer Rückholung des Sterbens ins Leben.
Vorwort
Freiheit, Liebe, Alter, Tod – die besonderen Affekt- und Gefühlslandschaften in literarischen und visuellen Fiktionen während der Corona-Pandemie