Beschreibung
Produktdetails
| Autoren | Katharina Feist-Merhaut |
| Verlag | Müller (Otto), Salzburg |
| Sprache | Deutsch |
| Produktform | Fester Einband |
| Erschienen | 20.03.2025 |
| EAN | 9783701313273 |
| ISBN | 978-3-7013-1327-3 |
| Seiten | 140 |
| Abmessung | 133 mm x 16 mm x 213 mm |
| Gewicht | 245 g |
| Themen |
Belletristik
> Erzählende Literatur
Tod, Gesundheit, Sterben, Grossmutter, Pflege, Älterwerden, Fragen, Care-Arbeit, auseinandersetzen |
Kundenrezensionen
-
Ein bewegendes Debüt über das Leben und den Tod
Katharina Feist-Merhaut hat mit sterben üben ein berührendes und persönliches Debüt geschrieben, das sich den großen Fragen rund um das Thema Tod widmet. Die 1990 in Wien geborene Autorin, die in Leipzig und Wien Literatur studierte, verarbeitet in diesem Buch ihre eigene Auseinandersetzung mit dem Sterben ihrer Großmutter – literarisch, präzise, schonungslos und zugleich zärtlich.
Worum geht’s genau?
In sterben üben begleitet die Erzählerin ihre Großmutter über einen längeren Zeitraum. Sie beobachtet, fragt, hört zu – und schreibt auf. Die Großmutter, schlagfertig und mit viel Schmäh, teilt Erinnerungen an verstorbene Männer, an das Älterwerden und ans Alleinsein. Während sich ihr Zustand verschlechtert, stellt sich die Enkelin auch ihren eigenen Ängsten: dem Tod, dem Alleinsein, familiären Belastungen – und der Verantwortung, die mit Pflege einhergeht. Inmitten dieser Auseinandersetzung steht die Frage: Kann man das Sterben üben?
Meine Meinung
sterben üben ist kein einfaches Buch. Es ist ein vielschichtiges, tief emotionales Werk, das durch seine tagebuchähnliche Struktur – aus Notizen, Erinnerungen und Gesprächen – eine große Unmittelbarkeit erzeugt. Der Alltag, in seiner unspektakulären Normalität, entfaltet darin stille Intensität. Besonders berührt hat mich, wie spürbar die Autorin den Druck schildert, als einzige Angehörige in der Nähe Verantwortung zu übernehmen. Wenn die Großmutter nicht ans Telefon geht, wird jede Stille zur Panik. Diese Belastung ist fast körperlich – ebenso wie das Gefühl, dem eigenen Leben nicht mehr ganz zu gehören.
Es geht in diesem Buch auch um Machtdynamiken, Erwartungen, familiäre Prägung – und um das Recht auf eigene Grenzen. Die Szenen, in denen über ein Pflegeheim gesprochen wird, zeigen: Pflege ist oft nicht nur eine Herzensentscheidung, sondern auch eine, die das ganze Leben der Pflegenden verändert. Die intimen, manchmal schmerzhaften Details werden mit großer Offenheit erzählt – das schafft Vertrauen.
Zugleich verbindet Feist-Merhaut persönliche Erfahrung mit literarischer Reflexion. Namen wie Barthes, Carson oder Mayröcker fallen – doch nicht alle Verweise gehen in die Tiefe. Gerade in diesen Momenten hätte ich mir mehr Ausarbeitung gewünscht. Besonders eindrücklich blieb für mich die Szene, in der die Erzählerin ihre Großmutter wäscht – ein Akt der Fürsorge, so nah, intim und ehrlich wie das ganze Buch.
sterben üben spricht Themen wie Altern, Fürsorge, Trauer, Prägung, familiäre Rollen und Selbstschutz an – und ist dabei ein Plädoyer für das Zuhören und Hinsehen. Ein Buch, das fordert, aber auch öffnet: für Gespräche, für Mitgefühl, für neue Perspektiven auf das Ende.
Fazit
Ich gebe sterben üben 4 von 5 Sternen. Ein mutiges, ehrliches Buch, das berührt und bewegt – mit wenigen Schwächen in der Tiefe literarischer Bezüge, aber großem Gespür für Nähe, Verantwortung und die Vergänglichkeit des Lebens.
Schreibe eine Rezension
Top oder Flop? Schreibe deine eigene Rezension.