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Seit den 50er Jahren arbeitete Julien Gracq an Aufzeichnungen, kurzen unverbundenen Prosastücken, die er 1967 und 1974 in zwei Bänden veröffentlichte und denen er den Titel "Lettrines" gab, womit die ornamentalen Schmuckinitialen mittelalterlicher Handschriften bezeichnet werden. Waren die Prosastücke in dem vor 4 Jahren deutsch erschienenen Band "Lesend schreiben" thematisch eingeengt und um die Fragen von Lektüre und Schreiben gebündelt, so sind die Texte der "Witterungen" in ihrer Thematik wie auch in ihrer Form höchst unterschiedlich: erzählende und beschreibende Stücke wechseln ab mit ironischen, kritischen und solchen von aphoristischer Knappheit: Marginalien zu Politik und Zeitgeschehen, Landschaftsbilder, Erinnerungen, Leseeindrücke, Urteile wechseln sich ab in bunter Mannigfaltigkeit.
Dieser widerspenstige und unbekümmerte Klassiker zieht jeden Leser mit der unerhörten Genauigkeit seiner Sätze, mit der Präzision seiner Metaphern, seiner nahezu "fleischlichen Zuneigung zu d en Wörtern" in Bann. Mit Dieter Hornig - der auch für seine Michaux-Übersetzungen den Aristeion-Preis erhielt - hat Gracq einen kongenialen Übersetzer gefunden.
Bericht
"Der unangefochtene Halbgott der französischen Literatur" (Der Spiegel)