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Das politische Denken Kants wird zu oberflächlich gedeutet, wenn man es - wie in der vorherrschenden "moralischen Interpretation" - einfach als Fortsetzung seiner Ethik der 1780er Jahre auffasst. Die bisherige Interpretation kann nicht erklären, warum Kant darin zentrale Moralitätsmerkmale wie das der intrinsischen Motivation oder das eines strikten Universalisierungstests aufgibt. In seiner politischen Philosophie fehlen so viele Charakteristika von Moralität, dass man sie weit besser als Ausdruck einer eigenständigen Form von nichtidealer Normativität auf der Basis der Rechtsidee begreift. Christoph Horn diskutiert Kants ebenso faszinierenden wie problematischen Versuch, eine ausschließlich deontologische Form von politischer Normativität zu entwickeln, ohne dabei auf eine Gütertheorie zurückgreifen zu können.
Inhaltsverzeichnis
Zitierweise und Siglen
Vorwort
Der Konflikt zwischen Abhängigkeits- und Trennungsthese
Moralische und rechtlich-politische Pflichten
Fünf Merkmale von Moralität und die Normativität des Politischen
Die Idee einer moralbasierten öffentlichen Ordnung
Menschenrechte und die Grundlagen politischer Normativität
Menschenrechte bei Kant?
Moralische Probleme mit der politischen Philosophie Kants
Die menschliche Würde
Der deontologische Rechtsbegriff und seine pflichttheoretischen Implikationen
»Das angeborne Recht ist nur ein einziges«
Das Naturrecht und seine formale Normativität
Probleme des Rechtsbegriffs und der Pflichtensystematik
Was macht einen Staat zum Gebot der Vernunft?
Welche Form des normativen Individualismus? Welche Vertragstheorie?
Eigentum als konstitutive Bedingung der konkreten Rechtsordnung
Gemeinwille, Volkssouveränität und legislative Kompetenz
Geschichtsphilosophische Hintergründe politischer Normativität
Zum theoretischen Anspruch der Geschichtskonzeption
Die These vom Mechanismus der Geschichte und die rechtliche Normativität
Der Friede und die weltbürgerliche Rechtsordnung
Kants politische Philosophie als Theorie nichtidealer Normativität
Der spezifische Charakter rechtlich-politischer Normativität
Moralische Deontologie und das Problem der Nichtidealität
Politische Philosophie und die Idee moralischer Grundgüter
Bibliographie
Namenregister
Über den Autor / die Autorin
Christoph Horn, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Zusammenfassung
Das politische Denken Kants wird zu oberflächlich gedeutet, wenn man es – wie in der vorherrschenden »moralischen Interpretation« – einfach als Fortsetzung seiner Ethik der 1780er Jahre auffasst. Die bisherige Interpretation kann nicht erklären, warum Kant darin zentrale Moralitätsmerkmale wie das der intrinsischen Motivation oder das eines strikten Universalisierungstests aufgibt. In seiner politischen Philosophie fehlen so viele Charakteristika von Moralität, dass man sie weit besser als Ausdruck einer eigenständigen Form von nichtidealer Normativität auf der Basis der Rechtsidee begreift. Christoph Horn diskutiert Kants ebenso faszinierenden wie problematischen Versuch, eine ausschließlich deontologische Form von politischer Normativität zu entwickeln, ohne dabei auf eine Gütertheorie zurückgreifen zu können.
Zusatztext
»Horns Buch stellt eine gelungene Irritation der festgefahrenen philosophischen Diskurse über Rechtsstaatlichkeit und Revolution dar und empfiehlt sich unbedingt für die Felder, in denen eine neue Kant-Kritik derzeit wieder in Schwung kommt, sei es zu Kants Rezeption im Nationalsozialismus oder zur konstitutiven Rolle des europäischen Menschenrechtsdiskurses für Kolonialismus und Rassismus.«
Bericht
»Dem Verfasser kommt das Verdienst zu, Kants politische Philosophie umfassend dargestellt zu haben - umfassend auch deswegen, weil er nicht nur Kants veröffentlichte Schriften heranzieht, sondern auch Vorlesungsmitschriften, Vorarbeiten und Reflexionen. ... Selbst wenn man nicht jeder einzelnen Deutung zustimmen muss, bleibt es wegen des reichen Belegmaterials ein Beitrag, den die Forschung nicht wird übergehen können.« Karl Homann Philosophisches Jahrbuch