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"Solange das Imperium da ist". - Carl Schmitt im Gespräch mit Klaus Figge und Dieter Groh 1971. Mit einem Nachwort von Dieter Groh

Deutsch · Taschenbuch

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Beschreibung

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»Im Anfang war nicht das Wort, sondern die Schrift«, verrät Carl Schmitt im Dezember 1971 dem Historiker Dieter Groh und dem Journalisten Klaus Figge.Die vier Tonbänder des autobiografischen Gesprächs für den SWF-Hörfunk werden nun in voller Länge als Buch herausgegeben. Als einzigartiges Dokument der »oral history« sind sie originalgetreu nach der mündlichen Rede transkribiert. In den Anmerkungen dokumentieren die Herausgeber ausführlich die Textstellen, die der verrufene Verfassungsrechtler zitiert oder anspielt. So verwandeln sie seine mündliche Rede wieder in Schrift. Eine Einleitung verknüpft die Erzählstränge, wiegt die Äußerungen und geht Verschwiegenem nach. Ein Nachwort von Dieter Groh stellt das Gespräch in den Kontext der Plettenberg-Pilgerungen linker Intellektueller. Carl Schmitt erzählt von seiner Kindheit in der katholischen Diaspora. Er erinnert sich, wie er trotz Prägung durch den Familienmythos des Kulturkampfes zum Staat der Preußen findet, durch persönliche Begegnungen. Mit einer Mischung aus Stolz und Ärger macht er Halt bei den Carl-Schmitt-Legenden der Nachkriegszeit. Carl Schmitt setzt ihnen seine eigene Geschichte vom »Engagement« im Nationalsozialismus entgegen. Dabei hält er sich an die Apologie der »Verfassungsrechtlichen Aufsätze«. Doch er gibt Hinweise, die über die Aufsatzsammlung von 1958 hinausführen. Er verweilt beim Prozess »Preußen contra Reich« und beim Ermächtigungsgesetz. So offen wie sonst nirgends spricht der polarisierende Denker des Politischen über seine Mitarbeit am »Reichsstatthaltergesetz« vom 7. April 1933. Scharfzüngig beurteilt er Weggefährten wie Kurt von Schleicher, Franz von Papen oder Johannes Popitz, den Finanzminister Hermann Görings. Mit dem künstlerischen Kalkül eines Komponisten baut Carl Schmitt das Gespräch auf. In seinen Ausführungen zu Chronologie und Kalender, zur großen Parallele der Zeitenwenden und zum »Aufhalter«, zur Feindschaft von Wort und Schrift gibt er den Schlüssel zur Lektüre an die Hand. Er evoziert Texte, die in den Anmerkungen eine andere Lebensgeschichte eröffnen als die vordergründig erzählte.Das Buch ist eine kritische Leseausgabe für Eingeweihte und für Novizen in Sachen Carl Schmitt.

Inhaltsverzeichnis

EinleitungBand 1: Katholizismus und VerschwörungKapitel 1: Kindheit in der katholischen DiasporaKapitel 2: Der Kreis um Kurt von SchleicherKapitel 3: Das katholische PfarrhausKapitel 4: Die Blütenlese des AnklägersKapitel 5: Blüten des NachkriegsjournalismusKapitel 6: Die Chronologie und der KalenderKapitel 7: Die große Parallele und der AufhalterBand 2: Was steht in der Verfassung?Kapitel 8: Das unausgesprochene Thema der SchriftKapitel 9: Warum haben Sie Jura studiert?Kapitel 10: Ubi nihil vales, ibi nihil velisKapitel 11: Die Reichsgründungsrede 1933Kapitel 12: Das Eidestrauma des ReichspräsidentenBand 3: Warum hast du mitgemacht?Kapitel 13: Legalität statt LegitimitätKapitel 14: Die wichtigsten Begegnungen und BücherKapitel 15: Zum Positivismus ermächtigtBand 4: On s'engage, puis on voitKapitel 16: Die schöne Pilgerfahrt nach GoetheKapitel 17: Mein erster Blick ins Dritte ReichAnmerkungenNachwort: Wie ist es zum Gespräch mit Carl Schmitt gekommen?Namenverzeichnis

Über den Autor / die Autorin

Carl Schmitt, geb. 1888 in Plettenberg, lehrte als Professor für Verfassungs- und Völkerrecht in Greifswald (1921), Bonn (1922), Berlin (Handelshochschule, 1926), Köln (1932) sowie an der Universität Berlin (1933-45). Seine Definitionen der Begriffe Politische Romantik und Politische Theologie, Souveränität, Diktatur, Legalität und Legitimität sowie des Politischen (Freund-Feind-Theorie) hatten starken Einfluss weit über die Grenzen Deutschlands und seines Faches hinaus. Der Autor verstarb 1985 in seinem Geburtsort.

Dimitrios Kisoudis, geboren 1981 in Öhringen/Hohenlohe, hat Historische Anthropologie in Freiburg und Sevilla studiert und arbeitet als freier Publizist.

Dieter Groh war Professor emer. an der Universität Konstanz. Er verstarb 2012.

Gerd Giesler, Dipl.-Chemiker, Dr. rer. nat., machte Abitur in Plettenberg. Von 1960 bis 1968 studierte er Philosophie, Kunstgeschichte und Chemie in Berlin. Danach Tätigkeit im wissenschaftlichen Verlagswesen. Von 1991 bis 2005 war er Geschäftsführer und Verlagsleiter Akademie Verlag, Berlin. Gerd Giesler ist Herausgeber mehrerer wissenschaftlicher Reihen und Gründer der Carl-Schmitt-Gesellschaft e.V. 2006, seither Erster Vorsitzender.

Bericht

"Es handelt sich um 17 gut ausgewählte Themen, zu denen Schmitt sich ausführlich, klug wenn auch gelegentlich kryptisch äußert. Es gelingt den beiden Interviewern, ein weit gespanntes Panorama deutschen Schicksals mit Schmitt zu skizzieren, etwa: Legalität und Legitimität, Goethe, Nachkriegsjournalismus geben spannende Einblicke in die Zeit und den Zeitgeist. Alles gut beisammen: Carl Schmitt und auch wir, die Deutschen, und ein Namensregister. Eine hinreißende Lektüre." Deutschlandradio Kultur, Lesart, 13.02.2011

Produktdetails

Autoren Klau Figge, Klaus Figge, Dieter Groh, Car Schmitt, Carl Schmitt
Mitarbeit Gerd Giesler (Herausgeber), Frank Hertweck (Herausgeber), Dimitrio Kisoudis (Herausgeber), Dimitrios Kisoudis (Herausgeber)
Verlag Duncker & Humblot
 
Sprache Deutsch
Produktform Taschenbuch
Erschienen 02.11.2010
 
EAN 9783428134526
ISBN 978-3-428-13452-6
Seiten 198
Gewicht 278 g
Themen Sozialwissenschaften, Recht,Wirtschaft > Recht > Allgemeines, Lexika

Schmitt, Carl, Rechtswissenschaft, allgemein, Politische Strukturen und Prozesse

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