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Die Kritik der Romantik und ihrer spezifischen Motive hat die intellektuelle und akademische Diskussion bis weit ins letzte Drittel des 19. Jahrhunderts beherrscht. Die wichtigste übersehene Tatsache ist jedoch, daß die beiden zentralen Figuren des romantischen Bewußtseins, die Reflexivität des Kunstwerks und das Phantastische, nicht rezipiert wurden, sondern tabuisiert worden sind. Was bedeutet, daß eben jene Elemente der Romantik, die in der literarischen Moderne virulent wurden, für beinah ein Jahrhundert aus dem deutschen Diskurs ausgegrenzt blieben. Die Kritik der Romantik im Zeichen eines ideologischen Idealismus und historischen Positivismus bedeutet eine Verhinderung der Moderne als »Kontingenzbewußtsein«, also als Bewußtsein vom Zufall und Zerfall, wie es von der romantischen Poesie entdeckt worden ist.
Sommario
ERSTER TEIL: Die moderne Wiederentdeckung der Romantik
Walter Benjamins Objektivierung der romantischen Ironie
Das Phantastische der Surrealisten
Apollinaire und Clemens Brentanos »Lore Lay«-Motiv
Bretons und Aragons Suche nach dem Wunderbaren
Die philosophisch-ästhetischen Grundlagen der wiederentdeckten Romantik: Kierkegaard, Baudelaire, Nietzsche
Kierkegaards Analyse des ästhetischen Bewusstseins
Baudelaires Metapher der »Unendlichkeit«
Nietzsches Auflösung des »Wirklichkeits«-Begriffs
ZWEITER TEIL: Die Kritik der Romantik
Heinrich Heine: Die romantische Schule
Die Ambivalenz des Urteils: Politische Kritik und ästhetische Faszination
Das politische Verdikt im Namen der »Gegenwart«
Die Feier des Phantastischen
Hegel: Vorlesungen über die Ästhetik
Das Mißverständnis der romantischen Ironie als leere Subjektivität
Die Kritik der romantischen Phantasie: Das Böse, das Schauerliche, das Mystische
Die Analyse der romantischen Kunstform als Moderne
Die Junghegelianer: Die Hallischen Jahrbücher
Arnold Ruges ästhetische Theorie
Die geschichtsphilosophische Kritik der Hallischen Jahrbücher
R. E. Prutz' Vermittlung zwischen politischem und ästhetischem Motiv
Die Entlarvung des Dandy: Die Fälle Gentz und Heine
Die nationalpädagogischen Kriterien der liberalen Literarhistorie zwischen 1830 und 1870
Georg Gottfried Gervinus
Hermann Hettner und Julian Schmidt
Rudolf Haym
DRITTER TEIL: Die ästhetische Umkehr der Kritik
Diltheys romantische Aufhebung des Historismus
Theorie der dichterischen Phantasie
Die lebensphilosophische Zähmung des romantischen Phantasma
Die organologisch-antimoderne Begründung des »Phantasie«-Begriffs
Ricarda Huchs kulturrevolutionäre Identifizierung
Pathos der Moderne und des Unbewußten
Die Kritik des romantischen Schreckens
Carl Schmitts Polemik gegen die Romantik als das moderne Bewusstsein
Das antimetaphysische Subjekt
Der Moment, das Phantastische und der Zufall
Das Ästhetische als Negativum
Das miß gedeutete Athenaeum-Fragment
Carl Schmitt und die surrealistische Moderne
Info autore
Karl Heinz Bohrer, geboren 1932, Professor für Neuere deutsche Literaturgeschichte an der Universität Bielefeld, seit 1984 Herausgeber des MERKUR. 2007 wurde Karl Heinz Bohrer der Heinrich-Mann-Preis verliehen.
Riassunto
Die Kritik der Romantik und ihrer spezifischen Motive hat die intellektuelle und akademische Diskussion bis weit ins letzte Drittel des 19. Jahrhunderts beherrscht. Die wichtigste übersehene Tatsache ist jedoch, daß die beiden zentralen Figuren des romantischen Bewußtseins, die
Reflexivität
des Kunstwerks und das
Phantastische,
nicht rezipiert wurden, sondern tabuisiert worden sind. Was bedeutet, daß eben jene Elemente der Romantik, die in der literarischen Moderne virulent wurden, für beinah ein Jahrhundert aus dem deutschen Diskurs ausgegrenzt blieben. Die Kritik der Romantik im Zeichen eines ideologischen Idealismus und historischen Positivismus bedeutet eine Verhinderung der Moderne als »Kontingenzbewußtsein«, also als Bewußtsein vom Zufall und Zerfall, wie es von der romantischen Poesie entdeckt worden ist.