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Bachelorarbeit aus dem Jahr 2010 im Fachbereich Politik - Internationale Politik - Thema: Sonstiges, Note: 1,3, FernUniversität Hagen (Politikwissenschaft II: Internationale Politik), Veranstaltung: Konflikt und Kooperation in den Internationalen Beziehungen, Sprache: Deutsch, Abstract: Da staatliches Handeln auch nach territorialer Kontrolle und Demarkation gegenüber anderen Staaten trachtet, haben Internationale Beziehungen immer eine ihnen innewohnende territoriale Komponente. Auch wenn geopolitisches Handeln selbstverständlich viel älter ist, als es die aktuelle Terminologie vermuten lässt, wird seit über hundert Jahren die auf territoriale Belange gerichtete Politik mit dem Begriff Geopolitik belegt. Die ungleichen Triebkräfte von wirtschaftlicher Ausdehnung und sozialer Eingliederung von Gesellschaften, die beide eine staatliche Regelung erfordern und territorial verankert sind, sind Grundlagen des modernen Staates. Jeder Staat strebt in seinen Aussenbeziehungen dazu, expansiv gegenüber anderen Staaten vorzugehen, sei es durch Wirtschaftsabkommen, Bündnispolitik oder unvermittelte militärische Einmischung, um seine nationalen Interessen in Gestalt der wirtschaftlichen Interessen der jeweiligen hegemonialen Gruppen durchzusetzen. Die Konstituierung von sozialer Stabilität (Akzeptierung der Reproduktions- und Verwertungsbedingungen von allen) verlangt zugleich eine Homogenisierung nach innen und eine Abgrenzung nach aussen (vgl. Zeiliger/Rammer 2001: 7).Auch Geopolitik bedarf, wie jede andere Politik, einer weltanschaulichen Legitimation. Raum- und Weltbilder werden entworfen und weltanschaulich aufgeladen, um nationalstaatliche Grenzen zu sichern, territoriale Interessen durchzusetzen, Einflussgebiete abzustecken sowie befreundete von verfehdeten Staaten abzusondern. Dabei müssen politische Weltbilder und Raumkonzepte die Spannungen zwischen der Apologie der räumlichen Ausdehnung und Einfügung in internationale Allianzen sowie der Demarkation gegenüber aussen integrieren. Von den Nationalsozialisten wurde diese Politik in altbewährter Weise ausgeübt: räumliche Ausdehnung nach aussen zur Durchsetzung wirtschaftlicher Hegemonie, Einheit nach innen durch Eliminierung von Volksfeinden sowie ideologische Legitimation über biopolitische Konzeptionen von Lebensraum und Herrenrasse (vgl. ebd.).Obschon geopolitische Überlegungen die aussenpolitische Praxis weiterhin prägten, war der Begriff Geopolitik nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa als faschistisches Konzept durchgängig verpönt.