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"Er liebte dich, Unseeligste! Gefangen / Wollt er sich dir ergeben, / drum naht er!"
In den Kampf der Griechen um Troja greift Penthesilea, Königin der Amazonen, mit ihrem Heer ein. Sie trifft auf Achill, und eine leidenschaftliche Liebe entflammt zwischen den beiden. Auf dem Schlachtfeld wollen sie einander erobern. Penthesilea wähnt sich als Siegerin, doch bald schon wird ihr klar, daß sie selbst besiegt und gefangen wurde. Aus Liebe will sich Achill schließlich freiwillig zu ihrer Gefangenen machen und tritt ihr unbewaffnet entgegen, aber Penthesilea glaubt, er wolle sie erneut besiegen und demütigen. Mit ihrer Hundemeute stürzt sie sich auf den wehrlosen Achill und tötet ihn in rasendem Liebeswahn. Zu spät durchschaut sie die wahren Zusammenhänge.
Kleists Trauerspiel, erschienen 1808, uraufgeführt 1876, findet an entfesselter Gewalt, an Heftigkeit und affektiver Schlagkraft in der Geschichte des deutschen Dramas kaum seinesgleichen.
Bei dtv erschienen in der Bibliothek der Erstausgaben (enthält Originaltext und Anhang zu Verfasser, Werk und Textgestalt sowie eine Zeittafel und Anmerkungen)
Info autore
Heinrich von Kleist, dessen Werk bereits auf die Moderne vorausweist, wurde am 18. Oktober 1777 in Frankfurt/Oder geboren. Die Beschäftigung mit Kants Philosophie löste 1801 eine Krise aus, die zur Infragestellung der Lebenspläne Kleists führte. Es folgten Reisen durch Deutschland, Frankreich und die Schweiz. 1807 wurde Kleist von französischen Behörden unter Spionageverdacht verhaftet. 1809 publizierte er patriotische Lieder und Aufsätze gegen die französische Besatzung. Von 1810-11 war er Herausgeber der Berliner Abendblätter , zunehmende Schwierigkeiten mit der Zensur führten zu deren Verbot. Gemeinsam mit der krebskranken Henriette Vogel beging Kleist am 21. November 1811 am Ufer des Wannsees in Berlin Selbstmord. Von den Dichtern der Goethezeit ist Heinrich von Kleist einer der lebendigsten und zerrissensten. Sowohl sein Leben als auch sein Werk standen im Zeichen einer aus den Fugen geratenen Zeit, und die extremen Gefühlslagen und radikalen Zweifel, die sich in den Werken dieses zu Lebzeiten erfolglosen Dichters Bahn brachen, sind auch heute noch höchst aktuell.
Prof. Dr. Joseph Kiermeier-Debre ist Leiter des Antoniter-/Strigelmuseums und der MEWO Kunsthalle in Memmingen, Dozent für Neuere deutsche Literatur an der Universität München und Autor und Herausgeber zahlreicher Veröffentlichungen.