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Ob Juristen, Philosophen oder Theologen, ob Publizisten oder Politiker: Alle berufen sich auf die Würde des Menschen und ihre Unantastbarkeit. Doch niemand vermag genau zu sagen, was darunter zu verstehen ist. Manfred Baldus versucht in seinem Gang durch die jüngere deutsche Rechts- und Ideengeschichte zu erklären, wie es zu dieser paradoxen Lage kommen konnte. Er berichtet von christlichen Dominanzgewinnen und verzweifelten Positionsbehauptungen, ideologiekritischen Eindämmungsversuchen, soziologischen Gegenkonzepten und ausgefeilten Minimierungsstrategien, kurz: von mitunter erbittert geführten Meinungsschlachten. Und er fragt, ob es einen Ausweg aus der verfahrenen Lage gibt, sich also klären lässt, was es mit der Menschenwürde auf sich hat.
Sommario
Kapitel 1: Verstörende Lage
I. Norm aller Normen - doch große Unbekannte
II. Fragen
Kapitel 2: Parlamentarischer Rat
I. Vorstellungen und Absichten
1. Naturrechtliche Verankerung?
2. Brücke zu Würdekonzepten aus Philosophie und Theologie?
3. Reaktion auf Nationalsozialismus und Sowjetherrschaft?
4. Konkrete Gehalte der Norm
5. Art und Eigenschaften
II. Erkenntnisse und Folgerungen
Kapitel 3: Kontext
I. Verfassungen der Länder
1. Würdemissachtung als Kennzeichen des Nationalsozialismus
2. Achtung der Menschenwürde als Verpflichtung der neuen Ordnungen
3. Gewährleistung eines menschenwürdigen Daseins
II. Gerichte und juristische Fachliteratur
1. Verbrechen gegen die Menschlichkeit
2. Kern einer neuen naturrechtlichen Begründung des Rechts?
3. Erste Deutungen einer verfassungsgesetzlichen Würdenorm
4. Einfluss auf den Parlamentarischen Rat?
III. Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
1. Entwürfe aus UN-Gremien
2. Inoffizielle und private Stellungnahmen und Entwürfe
3. Anlässe und Sinngehalte der Rede von der Würde des Menschen
4. Erklärung als Vorbild?
Kapitel 4: Erste Anwendungen und Deutungen
I. Grundlage für Ansprüche auf staatliche Fürsorge?
1. Bundesverfassungsgericht: Kein Schutz vor materieller Not!
2. Bundesverwaltungsgericht: Einklagbarkeit bestehender Fürsorgeansprüche
II. Erste Deutungen
1. Würde als Wert
2. Christlich-naturrechtliche Begründung
III. Dürigs große Kompilation
IV. Christlicher Personalismus und abendländische Wertegemeinschaft
V. Rechtsdogmatische Ausformungen
1. Freiheitsschützende Ableitungen
2. Rechtfertigung von Freiheitsbeschränkungen
3. Legitimation richterrechtlicher Rechtsfortbildung
Kapitel 5: Gegenkonzepte und ihre Folge
I. Protestantisches Unbehagen
II. Methodologische, grundrechts- und wissenschaftstheoretische Kritik
III. Gegenkonzepte
IV. Vielfalt als Problem?
Kapitel 6: Expansionen
I. Ausbau der Rechtsdogmatik
1. Schutzgut und Bestimmungsmethode
2. Verletzungskriterium
3. Umfassende Schutzpflicht
4. Unabwägbarkeit
II. Neue Themenfelder
1. Kapitalismuskritik
2. Informationshunger des Planungsstaates
3. Reproduktionsmedizin und Genmanipulation
4. Intensivmedizinische Defektheilungen
5. Tierschutz - Testfall der Menschlichkeit?
6. Weibliche Nacktheit
III. Inflation und Interdisziplinarität
1. Problemlöser für alles?
2. Positionsbehauptungen nach Dominanzverlust
3. Integrierbare Vielfalt?
Kapitel 7: Weitere Wachstumsschübe
I. Wiedervereinigung
1. Neue Verfassung für die DDR
2. Neue Länder und neue Verfassungen
3. Erich Honeckers Würde
II. Weitere rechtsdogmatische Ausformungen
1. Mensch als Gattungswesen
2. Unverlierbarkeit
3. Relativität statt Absolutheit
III. Reduktion statt Vermehrung?
1. Pico
2. Kant
3. Pufendorf, Nikolaus von Kues, Locke und Rousseau
4. Minimierungsstrategien
IV. Normtransfer: Europa und Bayern
1. Mensch statt menschliche Persönlichkeit
2. Statt Norm- nur Normtexttransfer
Kapitel 8: Fakultäten- und Glaubenskämpfe
I. Humangenetik
1. Rassismus und Kannibalismus?
2. Widerstreitende Argumentationen
3. Immer noch ein Gewinner-Argument?
II. Neuer Terrorismus
1. Heimliche Überwachung
a) Unantastbarer Kernbereich privater Lebensgestaltung
b) Unantastbarkeit trotz Abwägungsoffenheit?
2. Flugzeugabschuss
Info autore
Manfred Baldus , Vorsitzender Richter am Landgericht Köln a.D.
Riassunto
Ob Juristen, Philosophen oder Theologen, ob Publizisten oder Politiker: Alle berufen sich auf die Würde des Menschen und ihre Unantastbarkeit. Doch niemand vermag genau zu sagen, was darunter zu verstehen ist. Manfred Baldus versucht in seinem Gang durch die jüngere deutsche Rechts- und Ideengeschichte zu erklären, wie es zu dieser paradoxen Lage kommen konnte. Er berichtet von christlichen Dominanzgewinnen und verzweifelten Positionsbehauptungen, ideologiekritischen Eindämmungsversuchen, soziologischen Gegenkonzepten und ausgefeilten Minimierungsstrategien, kurz: von mitunter erbittert geführten Meinungsschlachten. Und er fragt, ob es einen Ausweg aus der verfahrenen Lage gibt, sich also klären lässt, was es mit der Menschenwürde auf sich hat.
Testo aggiuntivo
»Dem Verfasser ist eine sehr gründliche, zugleich weit ausholende Rekonstruktion der Diskussion und verfassungsgerichtlichen Rechtssprechung um das Prinzip der Menschenwürde gelungen.«
Relazione
»Baldus zeichnet den deutschen Würdediskurs mit großer Akribie nach und dokumentiert die einschlägige Literatur bis in alle Verästelungen. Gerade diese Vollständigkeit ist ... hilfreich.« Florian Meinel Frankfurter Allgemeine Zeitung 20161122