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Über die aktuelle Mode sind wir stets gut informiert, über deren Herstellung hingegen ist wenig zu lesen. Dies ist kein Zufall. Schöne Kleidung verstehen wir gerne als Resultat phantasievoller Kreation; sie als Produkt harter Industriearbeit wahrzunehmen, könnte die Freude an Farbe und Form schmälern.
Die deutsche Bekleidungsindustrie ist die umsatzstärkste Europas, doch in Deutschland stand ihre Entwicklung stets im Schatten der Aufmerksamkeit, die der Schwerindustrie zukam. Damit geriet eine Branche aus dem Blick, die wie kaum eine andere auf der Arbeit von Frauen beruht und die, flexibler als andere Industrien, sich ihre Produktionsorte stets dort sucht, wo diese Arbeitskräfte zu niedrigen Lohnkosten einzustellen sind.
Die Geschichte der industriellen Bekleidungsindustrie ist wenig erforscht. Im Ruhrgebiet, einem ihrer Standorte seit 1945, ist sie fast unbekannt. Dieses Buch zeichnet die Entwicklung nach: von dem kommunalpolitisch geförderten Aufbau dieser neuen Industrie in der Nachkriegszeit über ihre Boomphase in den Wirtschaftswunderjahren hin zu dem Strukturwandel der Branche in Folge der Produktionsverlagerung ins Ausland. Interviews mit Näherinnen, Betriebsrätinnen und Gewerkschaftssekretärinnen bilden die Grundlage für eine Darstellung, die sich maßgeblich auf die Erfahrungen der Beschäftigten bezieht.