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Von den mehr als tausend Kurzgeschichten, die Robert Walser in den drei Jahrzehnten seiner schriftstellerischen Produktivität geschrieben hat, bis er sich im Alter von 51 Jahren in ein psychiatrisches Krankenhaus einweisen ließ, sind nahezu der zehnte Teil Liebesgeschichten. Eine Auswahl des zu seinem 100. Geburtstag erschienenen Bandes »Liebesgeschichten« wird hier vorgelegt. In der Reihenfolge ihrer Entstehung zeigen sie die Entwicklung eines Autoren, der - zeitlebens unverheiratet - allem Erotischen gegenüber aufgeschlossen und allem Neuen gegenüber erotisch reagierte. Mit der ihm eigenen Verletzbarkeit und mit der Exponiertheit des unfreiwilligen Außenseiters hat er auch diese besondere Spielart zwischenmenschlicher Beziehungen in allen ihren Erscheinungsformen und ihren Brechungen an den gesellschaftlichen Konventionen, Ritualen und Verkümmerungen dargestellt. Ob er nun das Wunschdenken der Pubertät, den »weichen Kerker der Ehe«, melancholisch-verschmitzte Parabeln über die Unfixierbarkeit des Glücks, ob er Spielarten der Eifersucht, des Ehebruchs oder in eigenwilligen Nacherzählungen die erotische Trivialliteratur entlarvt und parodiert, niemals ist seine Sympathie auf der Seite stagnierender Konventionen, immer aber bei der Spontaneität, beim Leben, bei der Veränderung und meistens bei der Frau.
Info autore
Robert Walser, geb. 1878 in Biel geboren, gest. 1956, absolvierte nach seiner Schulzeit eine Banklehre und arbeitete als Commis in verschiedenen Banken und Versicherungen in Zürich. Seine ersten Gedichte, die 1898 erschienen, ließen ihn rasch zu einem Geheimtipp werden und verschafften ihm den Zugang zu literarischen Kreisen. Nach Erscheinen seines ersten Buches folgte er 1905 seinem Bruder Karl nach Berlin, der dort als Maler und Bühnenbildner den Durchbruch erzielt hatte. In rascher Folge publizierte Walser nun drei Romane. Infolge einer psychischen Krise geriet Walser Anfang 1929 gegen seinen Willen in die Psychiatrie, deren Rahmen er nie mehr verlassen konnte. 1933 von der Berner Klinik Waldau nach Herisau verlegt, gab er das Schreiben vollständig auf und lebte dort noch 24 Jahre als vergessener anonymer Patient.
Volker Michels, geboren 1943, trat nach dem Studium der Medizin und Psychologie 1969 als Lektor für deutsche Literatur in den Suhrkamp und Insel Verlag ein, wo er sich u. a. auch als Herausgeber für zahlreiche Autoren der Gegenwart und Vergangenheit eingesetzt hat.
Insbesondere widmete er sich den Werken und Briefen von Hermann Hesse, dessen literarischen und bildnerischen Nachlass er in mehr als hundert Themenbänden veröffentlicht und 2005 mit der Edition einer zwanzigbändigen Gesamtausgabe abgeschlossen hat.
Riassunto
Von den mehr als tausend Kurzgeschichten, die Robert Walser in den drei Jahrzehnten seiner schriftstellerischen Produktivität geschrieben hat, bis er sich im Alter von 51 Jahren in ein psychiatrisches Krankenhaus einweisen ließ, sind nahezu der zehnte Teil Liebesgeschichten. Eine Auswahl des zu seinem 100. Geburtstag erschienenen Bandes »Liebesgeschichten« wird hier vorgelegt. In der Reihenfolge ihrer Entstehung zeigen sie die Entwicklung eines Autoren, der – zeitlebens unverheiratet – allem Erotischen gegenüber aufgeschlossen und allem Neuen gegenüber erotisch reagierte. Mit der ihm eigenen Verletzbarkeit und mit der Exponiertheit des unfreiwilligen Außenseiters hat er auch diese besondere Spielart zwischenmenschlicher Beziehungen in allen ihren Erscheinungsformen und ihren Brechungen an den gesellschaftlichen Konventionen, Ritualen und Verkümmerungen dargestellt. Ob er nun das Wunschdenken der Pubertät, den »weichen Kerker der Ehe«, melancholisch-verschmitzte Parabeln über die Unfixierbarkeit des Glücks, ob er Spielarten der Eifersucht, des Ehebruchs oder in eigenwilligen Nacherzählungen die erotische Trivialliteratur entlarvt und parodiert, niemals ist seine Sympathie auf der Seite stagnierender Konventionen, immer aber bei der Spontaneität, beim Leben, bei der Veränderung und meistens bei der Frau.