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1978 verfasste Manfred Gerlach ein Manuskript, das es in sich hatte. Wirkt manches aus heutiger Sicht vielleicht belanglos, so barg der Text in der damaligen politischen Realität der DDR und des umfassenden SED-Machtanspruches doch politischen Sprengstoff in sich.
Gerlach sprach u.a. Defizite der Medien, der politischen Akteure und des Sozialismus in der DDR an und forderte eine ehrliche
öffentliche Darstellung der UdSSR. Dabei hob er zugleich die Verdienste "seiner" Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands bei der Gestaltung der DDR hervor. Dies wertete die SED als Frontalangriff. Die SED-Führung unter Erich Honecker untersagte Gerlach die Veröffentlichung seiner Gedanken. Man befürchtete großen Schaden für das Ansehen der DDR.
Das Manuskript schlummerte seitdem in einigen Schubladen. In Gänze wird es erst jetzt erstmals veröffentlicht.
Manfred Gerlach war von 1967 bis 1990 Vorsitzender der LDPD und von Dezember 1989 bis März 1990 letzter Staatsratsvorsitzender der DDR.
Info autore
Prof. Dr. Manfred Gerlach, Jahrgang 1928, stieg in der DDR bis zum Vorsitzenden der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands auf. 1990 trat er nicht zur Wiederwahl an. In der Wendezeit bekleidete er als letzter das Amt der Staatsratsvorsitzenden. Über die Grenzen des anderen deutschen Staates hinaus wurde er bekannt, als er im Herbst 1989 sich offen zu mehr Demokratie in der DDR bekannte.