Description
Product details
| Authors | Jan Costin Wagner |
| Publisher | Kiepenheuer & Witsch |
| Languages | German |
| Product format | Hardback |
| Released | 14.08.2025 |
| EAN | 9783869712598 |
| ISBN | 978-3-86971-259-8 |
| No. of pages | 320 |
| Dimensions | 131 mm x 29 mm x 209 mm |
| Weight | 408 g |
| Subjects |
Fiction
> Narrative literature
> Contemporary literature (from 1945)
Gegenwartsliteratur, Extremismus, Konzert, Deutschland, Stuttgart, Hessen, Radikalisierung, Familiendrama, Kimmo Joentaa, Jan Costin Wagner, vaterfigur, Terror-Anschlag, Erste Hälfte 21. Jahrhundert (ca. 2000 bis ca. 2050), Abgrund des Lebens |
Customer reviews
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Vom Zerbrechen und Zusammenhalten
Mit „Eden“ erzählt Jan Costin Wagner eine zutiefst bewegende Geschichte über eine Familie, die nach einem traumatischen Anschlag mit dem Verlust ihres Kindes und dem Auseinanderbrechen der Welt, wie sie sie kannten, konfrontiert wird. Wagner, bekannt durch seine Kimmo-Joentaa-Reihe, ist vielfach ausgezeichneter Krimiautor und wagt sich hier an ein politisch wie emotional sensibles Thema. Für mich war dieses Buch Teil der #NetGalleyDEChallenge2025 – danke an NetGalley und Galiani Berlin für das Rezensionsexemplar!
Worum geht's?
Markus, Kerstin und ihre Tochter Sofie führen ein liebevolles, eng verbundenes Familienleben. Ein Geschenk – Konzertkarten für Sofies Lieblingssängerin – wird für Markus zum Auslöser unvorstellbaren Schmerzes, denn auf dem Konzert kommt es zu einem Terroranschlag. Sofie stirbt. Zurück bleiben die Eltern, die auf sehr unterschiedliche Weise versuchen, mit ihrer Trauer, dem Trauma und der Leere umzugehen. Während Kerstin sich zunehmend verliert, ringt Markus um Halt und Menschlichkeit. Er beschließt, das Gespräch zu suchen – mit sich selbst, mit anderen und schließlich sogar mit der Familie des Attentäters. Parallel dazu zeigt der Roman, wie politisch aufgeladene Themen wie Hass, Ideologie, Verschwörungserzählungen oder gesellschaftliche Spaltung subtil in den Alltag einsickern.
Meine Meinung
Mich hat das Buch tief berührt – auch wenn das Cover auf mich eher unscheinbar wirkte, war ich vom Klappentext sofort angezogen. Die Geschichte ist schwer, emotional und intensiv – ich habe sie während meines Urlaubs innerhalb kürzester Zeit verschlungen. Wagners Sprache ist zurückhaltend, fast leise, aber gerade dadurch sehr wirkungsvoll. Viele Passagen haben mich innehalten lassen. Besonders gelungen fand ich die multiperspektivische Erzählweise, die verschiedene Blickwinkel auf Trauer, Schuld, Sprachlosigkeit und gesellschaftliche Verantwortung ermöglicht.
Die Trauerphasen werden spürbar: Markus‘ Versuch, rational zu bleiben, Kerstins Rückzug, das Unverständnis im Umfeld. Ich konnte nicht alle Reaktionen nachvollziehen – vielleicht gerade deshalb, weil ich glücklicherweise nie Ähnliches erlebt habe. Umso mehr habe ich die stille Wucht dieses Romans gespürt.
Ein besonders kraftvolles Zitat: „Es ist gut, dass die Liebe da ist, auch wenn sie das einzige Problem ist. Der Hass kann die Liebe nicht beseitigen, er kann sie nur in Trauer und in bittere, schöne Erinnerungen verwandeln und damit zum schärfsten Schwert machen, das es gibt.“ (S. 77)
Wagner gelingt es, menschliche Abgründe mit viel Feingefühl darzustellen. Auch die Kritik am politischen Umgang mit persönlichen Schicksalen kommt durch – allerdings bleiben viele dieser gesellschaftspolitischen Aspekte nur angerissen. Themen wie AfD, Coronaleugner:innen, Rassismus und Verschwörungserzählungen tauchen auf, aber nie tief genug, um wirklich einen nachhaltigen Diskurs zu eröffnen. Das hätte ich mir pointierter gewünscht.
Die Frage nach der Motivation des Täters ist heikel. In der Figur Ayoub wird versucht, die Radikalisierung zu erklären. Dennoch bleibt für mich die Frage offen: Musste der Täter in Eden zwingend muslimisch sein, wenn das Thema ohnehin nicht differenziert vertieft werden kann?
Fazit
„Eden“ ist ein Roman, der unter die Haut geht. Sprachlich feinfühlig und emotional präzise zeigt Jan Costin Wagner, was Verlust mit uns macht – als Individuen und als Gesellschaft. Die politischen Nebenstränge bleiben etwas blass, aber das Kernmotiv der Empathie und des Nicht-Aufgebens hat mich stark bewegt. Von mir gibt es eine Leseempfehlung! -
Die Zeit steht still
Der Roman "Eden" von Jan Costin Wagner erscheint am 14. August 2025 im Verlag Galiani Berlin. Das Cover und der Titel sind schlicht und geben erst einmal keinen Hinweis zum Inhalt des Roman. Doch die behandelten Themen, wie Anschlag, Rechtsradikalismus, Coronagegner ..., sind aktuell und begegnen uns immer wieder in den Nachrichten.
Sofie ist zwölf Jahre, ein fröhliches und intelligentes, aber auch ein nachdenkliches Mädchen. Sie besucht, wie ihr Klassenkamerad Tobias, die siebte Klasse. Die Eltern von Sofie, Markus und Kerstin, sind liebevoll und nehmen sich viel Zeit für ihre Tochter. Anders sieht es in Tobias Elternhaus aus. Die Eltern streiten sich oft und Tobias ist mehr oder weniger allein auf sich gestellt. Auffällig ist, dass bei seinen Eltern immer nur von Vater und Mutter gesprochen wird. Lediglich der Vorname des Vaters fällt beiläufig. Sofie wird von ihrem Vater mit einem Ticket für ein Konzert ihrer Lieblingssängerin überrascht, das sie zusammen mit ihrer Tante Isabel und ihrer Cousine Lotte besucht. Die drei genießen den Abend, der durch den Anschlag eines Selbstmordattentäters für Sofie ein tragisches Ende nimmt. Für Sofies Eltern, Markus und Kerstin, bleibt auf einmal die Welt und die Zeit stehen. Die Ehe der beiden droht daran zu zerbrechen.
Der Autor beschreibt die unterschiedliche Art und Weise, wie Sofies Eltern und ihr Schulkamerad Tobias das Geschehen verarbeiten und wie sie versuchen damit umzugehen. Markus sucht die Offensive und die Konfrontation und Kerstin trauert still, bis sie schließlich nervlich zusammenbricht. Er beschreibt aber auch eindrucksvoll die Emotionen und Gedanken. Vor allem die Gedankensprünge von Markus, direkt nach dem Anschlag und auch später, wurden großartig festgehalten. Der Roman ist in Zeitabschnitte und den Perspektiven der verschiedenen Personen eingeteilt. Dem Autor, Jan Costin Wagner ist ein Roman mit Nachhall gelungen. -
Perspektivreiche Erzählung
Der Aufbau des Buches hat mir sehr gut gefallen. Die meiste Zeit schreitet das Geschehen sehr ruhig voran. Obwohl es stellenweise sehr berührend ist, wird die Atmosphäre nicht zu bedrückend. Man verfolgt die einzelnen Schicksale, anteilig auch beidseitig. Das Buch zeigt den Hass auf und weist gleichzeitig auf den Irrsinn der Vorurteile und Verallgemeinerungen hin.
Neben dem Hauptthema werden andere gesellschaftlich relevante Themen (Alkoholismus, Sich verlieren in Verschwörungstheorien, der Verlust der Fähigkeit einander zuzuhören) angeschnitten. Man hätte mit den Familien und Protagonist*innen noch weitere Seiten füllen und andere Themen genauer besprechen können. Ich hoffe auf weiteren Romanstoff dieser Art von Jan Costin Wagner.
Eine kleine Kritik, die im Gesamten unwesentlich erscheint ist, dass ich gerade zu Beginn des Buches den ein oder anderen Dialog der Kinder nicht ganz altersgerecht empfand. Jedoch nur vereinzelt. Es schmälert keinesfalls das Leseerlebnis.
Zudem wäre die Perspektive von Hamza oder der Mutter zur Vervollständigung noch spannend gewesen. -
Nach dem Tod des eigenen Kindes dreht sich die Welt einfach weiter
Ich habe noch nie ein Buch über das Thema Trauerbewältigung gelesen, was so toll geschrieben war. Das Buch ist einfach nur Wow. Es ist absolut authentisch und tiefgründig erzählt und hat mich wirklich gepackt , so das ich immer wissen wollte, was sie als nächstes machen.
Ich selbst habe auch einen lieben Angehörigen verloren und ich konnte mich sofort in alle Charaktere hinein versetzen und bei vielen Sachen, wie sie mit der Trauer umgingen, wie sie versucht haben weiter zu Leben mit dem großen Verlust, habe ich zu vielen Dingen gedacht - ja, genauso ist es .
Kurz zur Geschichte:
Markus schenkt seiner 12 jährigen Tochter Sofie ein Konzertticket ihrer Lieblingssängerin. Es ist eine Überraschung und Sofie freut sich sehr, mit ihrer Tante und gleichaltrigen Cousine daran teilnehmen zu dürfen. Bei den Konzert gibt es einen Anschlag. Sofie stirbt, Tante und Cousine überleben. Der Attentäter mit ausländischen Wurzeln stirbt ebenfalls.
In dem Buch wird erzählt, wie alle versuchen mit diesen Verlust umzugehen und weiter zu Leben. Aber kann man nach dem Tod seines Kindes überhaupt einfach weiter leben ?
Jeder hat eine andere Strategie. Nicht nur Vater, Mutter, Tante und Cousine werden beleuchtet, sondern auch Sofies bester Schulfreund Toby und dessen Eltern. Und die demente Oma, wo die Welt noch heile scheint. Auch wird die Familie des Täters kurz beleuchtet und auch der Täter selbst. Warum macht jemand sowas ?
Ein tolles Buch, was wirklich interessant und packend geschrieben ist und mich berührt hat. Ein Buch zu einem wichtigen Thema. -
Schmerzhaft
„Eden“ von Jan C. Wagner ist ein Buch, welches ein sehr sensibles Thema, nämlich den Verlust des eigenen Kindes, und den Versuch, danach weiterzuleben, behandelt.
Auf einem Konzert, zu welchem Sofie noch dazu die Karte von ihren Eltern geschenkt bekommen hat, zündet ein Selbstmordattentäter eine Bombe und Sofie stirbt. Fassungslosigkeit, Trauer und Verlust prägen sodann die Handlung. Die überlebenden Protagonisten gehen jeder auf seine ihm mögliche Art und Weise mit diesem Verlust um, die Beziehung zueinander zerbricht.
Mit radikalen Anschlägen, vorzugsweise natürlich bei großen Menschenansammlungen, sind wir derzeit sehr häufig in den Medien konfrontiert. Nicht auszumalen, wäre man ein Betroffener.
Jan C. Wagner, ein Autor, der bislang in einem andere Genre anzutreffen war, findet jedoch zu einer eindringlichen, aber teilweise sehr reduzierten Sprache, der Situation absolut angepasst, welche dem Leser die Schwere dieser Thematik deutlich näher bringt. Auch das Cover ist derart gestaltet, eher schlicht, aber durchaus ansprechend.
Ich gebe 4 Sterne, sowie eine Leseempfehlung, wenn man sich mit einem doch sehr emotionalen Thema auseinandersetzen möchte.
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