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Kollegienrat und Gutsbesitzer Pawel Iwanowitsch Tschitschikow bereist in seiner gefederten Kalesche die russische Provinz. In N. N. mietet er sich im Gasthof ein, macht sich bei den Würdenträgern der Stadt bekannt - und unterbreitet einigen Gutsbesitzern einen skurrilen Vorschlag: Er will ihnen »tote Seelen« abkaufen, die Namen von seit der letzten Zählung verstorbenen Leibeigenen, die noch in den Registern stehen und für die daher oft noch Jahre über den Tod hinaus Abgaben fällig werden. Eine listige Geschäftsidee, mit der Gutsbesitzer Steuern sparen und Tschitschikow, der die Namen in seine eigenen Rechnungsbücher überträgt, zu einem scheinbar wohlhabenden und damit kreditwürdigen Mann wird. Seine Reise, voll von komischem Personal und von überbordener Sprachfülle, wird zu einer bizarren Erkundung der russischen Weite, als deren tiefste Provinz sich der Mensch in seiner Nichtigkeit und lächerlichen Banalität erweist: nichts als »tote Seelen«.
Tote Seelen, im Mai 1842 in einer für die Zensur überarbeiteten Version erschienen, ist Nikolai Gogols erster und einziger, noch dazu unvollendeter Roman. Er »erschütterte ganz Russland«, wie Alexander Herzen damals schrieb. Ein literarisches Ereignis ist er bis heute.
About the author
Nikolai Wassiljewitsch Gogol wurde 1809 in Welikije Sorotschinzy (Poltawa), Ukraine, geboren. Er zog 1828 nach St. Petersburg und versuchte sich zunächst als Beamter und Lehrer. Mit seinen ersten volkstümlichen Erzählungen Abende auf dem Gutshof bei Dikanka erwarb sich Gogol 1831/32 große Anerkennung. Seine legendären Petersburger Novellen, darunter Die Nase, Der Mantel und Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen gelten bis heute als Meisterwerke der Groteske. 1842 erschien Die toten Seelen, ein Werk, dessen verschiedene Fassungen und Fortsetzungen der Autor im Laufe seines Lebens immer wieder vernichtete, neu schrieb und zuletzt doch wieder vernichtete. Gogol starb 1852 in Moskau.