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Die biologischen Phänomene Leben und Tod werden immer in bestimmten kulturellen Kontexten wahrgenommen und bewertet. Jede Grenzziehung zwischen Leben und Tod ist daher kulturbedingt. Das gilt auch für den Hirntod. Die Beiträge dieses Bandes zeigen aus historischer und kulturwissenschaftlicher Perspektive, wie in verschiedenen kulturellen Kontexten die Grenze zwischen Leben und Tod gezogen wurde und wird. Die Einordnung des Hirntodes in diese Gesamtbetrachtung macht es möglich, die Frage nach der Gültigkeit des Hirntodkriteriums in der ihr angemessenen Art und Weise, nämlich als genuin ethisches Problem, zu diskutieren.
List of contents
Einführung
Thomas Schlich: Tod, Geschichte, Kultur
Hirntod und die Kulturen des Todes
Jochen Vollmann: Das Hirntodkriterium heute.
Begriffsklärung und medizinethische Kontroversen
Volker Roelcke: Kulturen des Todes. Beobachtungen und Theorieansätze aus Ethnologie und Ethnomedizin
Geschichte der Todesbestimmung
Anton van Hooff: Thanatos und Asklepios. Wie antike Ärzte zum Tod standen
Daniel Schäfer: Todesfeststellung im Mittelalter
Elisabeth Emter: Bilder vom Tod in der frühen Neuzeit
Martina Kessel: Die Angst vor dem Scheintod im 18. Jahrhundert. Körper und Seele zwischen Religion, Magie und Wissenschaft
Alexandre Metraux: Der Todesreigen in der belebten Materie. Xavier Bichat über das vielfache Sterben des Organismus
Sebastian M. Schellong: Die künstliche Beatmung und die Entstehung des Hirntodkonzepts
Claudia Wiesemann: Notwendigkeit und Kontingenz. Zur Geschichte der ersten Hirntod-Definition der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie von 1968
Außermedizinische Bezugssysteme: Islam und Judentum
Birgit Krawietz: Grundlagen und Grenzen einer Hirntodkonzeption im Islam
Yves Nordmann: Definition des Todes und Hirntod aus Sicht der jüdischen Medizinethik
Hirntod heute - soziologische Analysen
Werner Schneider: Vom schlechten Sterben und dem guten Tod Die Neu-Ordnung des Todes in der politischen Debatte um Hirntod und Organtransplantation
Gesa Lindemann: Die Interpretation »hirntot«
About the author
Claudia Wiesemann ist Professorin und Direktorin des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin an der Universitätsmedizin Göttingen, Medizinethikerin, Mitglied des Deutschen Ethikrats, forscht seit mehr als zwanzig Jahren auf dem Gebiet der Ethik in der Medizin, insbesondere zu Fragen der Selbstbestimmung des Patienten und zur Fortpflanzungsmedizin.
Summary
Die biologischen Phänomene Leben und Tod werden immer in bestimmten kulturellen Kontexten wahrgenommen und bewertet. Jede Grenzziehung zwischen Leben und Tod ist daher kulturbedingt. Das gilt auch für den Hirntod. Die Beiträge dieses Bandes zeigen aus historischer und kulturwissenschaftlicher Perspektive, wie in verschiedenen kulturellen Kontexten die Grenze zwischen Leben und Tod gezogen wurde und wird. Die Einordnung des Hirntodes in diese Gesamtbetrachtung macht es möglich, die Frage nach der Gültigkeit des Hirntodkriteriums in der ihr angemessenen Art und Weise, nämlich als genuin ethisches Problem, zu diskutieren.