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Längst ist klar, daß die Religion aus der Moderne nicht verschwinden wird. Wir erleben vielmehr eine machtvolle Rückkehr religiöser Phänomene. Nicht nur an den Lebensrändern, wo Trost und Heilung gesucht werden, begibt man sich auf die Suche nach Gott. Auch in der profanen Alltagserfahrung werden Sinndefizite offensichtlich, die eine Rückbesinnung auf das Transzendente zu verlangen scheinen. Kann die Religion die Zumutungen eines entfesselten Kapitalismus dämpfen? Sind die Kirchen unverzichtbare Netzwerke der Nächstenliebe und Solidarität? Ist Religion der notwendige Kitt eines modernen Gemeinwesens? Ist ohne den Rückgriff auf eine religiöse Letztbegründung alles erlaubt?Andererseits wächst die Skepsis gegenüber religiösen Weltbildern wie auch der Wunsch, das wissenschaftliche Erbe der Aufklärung zu verteidigen. Was für die einen die Rückkehr zu unverzichtbaren Glaubensgrundsätzen ist, kommt für andere einer Bedrohung des demokratischen Pluralismus gleich. Jeder Monotheismus, so die Befürchtung, setzt irrationale Gewaltpotentiale frei - vom Kampf der Kulturen bis zu Glaubenskämpfen im öffentlichen Raum. Gleichzeitig läßt sich eine wachsende Tendenz zu Patchwork-Religionen und spirituellem Pluralismus beobachten: Der einzelne wird sein eigener Religionskomponist.Dieser Band untersucht, welche Konsequenzen die Renaissance des Religiösen in einer postsäkularen Gesellschaft zeitigt: von der Wissenschaft bis zur Kunst, von der Soziallehre bis zur Cyberchurch, von der Neurotheologie bis zur Populärkultur.
Über den Autor / die Autorin
Dr. phil. Peter Kemper, geb. 1950, studierte Philosophie, Germanistik und Sozialwissenschaften in Marburg. Seit 1986 Leiter des Abendstudios im Hessischen Rundfunk, ab 2003 Leitung der täglichen hr2-Gesprächssendung Doppel-Kopf . Seit 1981 regelmäßige Mitarbeit im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als Musikkritiker für Rock, Pop und Jazz. Zahlreiche Buchveröffentlichungen zu Themen der Alltags- und Jugendkultur.
Alf Mentzer, geboren 1966, Studium der Anglistik, Amerikanistik, Philosophie. Wurde mit einer Arbeit über "Die Blindheit der Texte" (2001) promoviert. Leitet seit 2006 die Literaturredaktion von hr2-kultur.
Ulrich Sonnenschein, geboren 1961, Promotion über Arno Schmidt. Redakteur, Autor und Moderator bei hr2-Kultur.
Zusammenfassung
Längst ist klar, daß die Religion aus der Moderne nicht verschwinden wird. Wir erleben vielmehr eine machtvolle Rückkehr religiöser Phänomene. Nicht nur an den Lebensrändern, wo Trost und Heilung gesucht werden, begibt man sich auf die Suche nach Gott. Auch in der profanen Alltagserfahrung werden Sinndefizite offensichtlich, die eine Rückbesinnung auf das Transzendente zu verlangen scheinen. Kann die Religion die Zumutungen eines entfesselten Kapitalismus dämpfen? Sind die Kirchen unverzichtbare Netzwerke der Nächstenliebe und Solidarität? Ist Religion der notwendige Kitt eines modernen Gemeinwesens? Ist ohne den Rückgriff auf eine religiöse Letztbegründung alles erlaubt?
Andererseits wächst die Skepsis gegenüber religiösen Weltbildern wie auch der Wunsch, das wissenschaftliche Erbe der Aufklärung zu verteidigen. Was für die einen die Rückkehr zu unverzichtbaren Glaubensgrundsätzen ist, kommt für andere einer Bedrohung des demokratischen Pluralismus gleich. Jeder Monotheismus, so die Befürchtung, setzt irrationale Gewaltpotentiale frei – vom Kampf der Kulturen bis zu Glaubenskämpfen im öffentlichen Raum. Gleichzeitig läßt sich eine wachsende Tendenz zu Patchwork-Religionen und spirituellem Pluralismus beobachten: Der einzelne wird sein eigener Religionskomponist.
Dieser Band untersucht, welche Konsequenzen die Renaissance des Religiösen in einer postsäkularen Gesellschaft zeitigt: von der Wissenschaft bis zur Kunst, von der Soziallehre bis zur Cyberchurch, von der Neurotheologie bis zur Populärkultur.
Bericht
"Die Diskussion über Religion ist derzeit alles andere als kalt, wie die Schärfe der Aufsätze im Sammelband "Wozu Gott?" erneut beweist. Wer keine Zeit hatte, die Debatten im Einzelnen zu verfolgen, dem ermöglicht das Buch, die wichtigsten Stimmen etwa der letzten drei jahre in prägnanten Ausschnitten nachzulesen."
Michael Stallknecht Süddeutsche Zeitung