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Vorwort
Nie sis heilig Für lo chalte.
Sine Fründe d Stange halte.
Jede Morge witers cho,
fescht uf sine Füesse stoh.
Dieser Aufruf von Sophie Haemmerli-Marti, der bekanntesten Mundartdichterin der Schweiz, hat auch nach über 100 Jahren nicht an Kraft eingebüsst. Man solle sein inneres Feuer nie erkalten lassen, immer zu seinen Freunden stehen, jeden Morgen vorwärtsgehen und doch fest auf dem Boden bleiben: starke Zeilen!
Sophie Haemmerli-Marti gehört zweifellos neben der Malerin Clara Müller, der Musikerin Erika Wedekind und Gertrud Villiger-Keller, die sich unermüdlich für die Bildung von Mädchen und Frauen einsetzte, zu den wichtigsten Lenzburger Pionierinnen, von denen in diesem wertvollen Buch die Rede ist. Sie haben, wie die anderen Persönlichkeiten, mit ihren Begabungen, ihren Ideen und ihrem enormen Engagement dem kulturellen, gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Leben starke Impulse gegeben,
weit über unseren Kanton hinaus.
Die Geschichte dieser frühen Wegbereiterinnen ist geprägt von Mut, Ausdauer und der Fähigkeit, Konventionen zu hinterfragen. Oft mussten diese Frauen gegen Widerstände kämpfen, gesellschaftlich, wirtschaftlich
oder im Denken ihrer Zeit. Ihr Wirken war selten spektakulär, dafür langfristig und nachhaltig. Die Stadt Lenzburg profitiert bis heute davon: ihre Spuren finden sich in Schulen, Museen, Vereinen und Unternehmen.
So sind die Leistungen der Pionierinnen der vergangenen 200 Jahre ein wertvoller Schatz. Sie mahnen uns, nicht stehen zu bleiben, sondern immer wieder neugierig, mutig und schaffensfroh zu sein – heute und in Zukunft. Ich danke allen, die zu diesem interessanten Werk beigetragen haben. Diese Geschichten verdienen es, ins Rampenlicht gerückt zu werden – sie sind vielfältig, inspirierend und ein bedeutender Teil des Lenzburger Selbstverständnisses als aufgeschlossene Stadt.
Christine Egerszegi-Obrist
alt Ständerätin und Nationalratspräsidentin 2006/2007
und ehem. Französischlehrerin an der Bezirksschule Lenzburg (1971–1976)