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Raumfahrer
Roman | »Feine, große Literatur.« Welt am Sonntag

Deutsch · Fester Einband

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Beschreibung

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Gebäude lassen sich abtragen und neu aufbauen, Erinnerungen nicht
Jan und seine Eltern sprechen nicht viel über das Heute und erst recht nicht über das Gestern. Erst als Herr Kern auftaucht, kommt das fragile Gleichgewicht der Familie ins Wanken: Welche Beziehung führte Jans Mutter mit dem Vater von Herrn Kern? Und was haben die Kerns mit der Kunst von Georg Baselitz zu tun? Immer weiter arbeitet sich Jan durch das Schweigen mehrerer Generationen, taucht ein in die Geschichte der Baselitz-Brüder, die Geschichte seiner Eltern und begreift, dass die Gegenwart nicht nur aus der eigenen Vergangenheit besteht.
Behutsam und voller Empathie zeichnet Lukas Rietzschel ein eindrückliches Bild von Menschen, die durch große gesellschaftliche und politische Veränderungen geprägt sind -- und von Verletzungen, die sich durch Generationen hindurchziehen und scheinbar nie verheilen.

Über den Autor / die Autorin

Lukas Rietzschel, geboren 1994 in Räckelwitz in Ostsachsen. Schon sein Debütroman ›Mit der Faust in die Welt schlagen‹ (2018) war ein Bestseller, der für das Kino verfilmt wurde. 2021 erschien der zweite Roman ›Raumfahrer‹. Lukas Rietzschels Romane und Theaterstücke wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Gellert-Preis, dem Sächsischen Literaturpreis und dem Literaturpreis „Text & Sprache“.  

Zusammenfassung

Gebäude lassen sich abtragen und neu aufbauen, Erinnerungen nicht

Jan und seine Eltern sprechen nicht viel über das Heute und erst recht nicht über das Gestern. Erst als Herr Kern auftaucht, kommt das fragile Gleichgewicht der Familie ins Wanken: Welche Beziehung führte Jans Mutter mit dem Vater von Herrn Kern? Und was haben die Kerns mit der Kunst von Georg Baselitz zu tun? Immer weiter arbeitet sich Jan durch das Schweigen mehrerer Generationen, taucht ein in die Geschichte der Baselitz-Brüder, die Geschichte seiner Eltern und begreift, dass die Gegenwart nicht nur aus der eigenen Vergangenheit besteht. 


Behutsam und voller Empathie zeichnet Lukas Rietzschel ein eindrückliches Bild von Menschen, die durch große gesellschaftliche und politische Veränderungen geprägt sind -- und von Verletzungen, die sich durch Generationen hindurchziehen und scheinbar nie verheilen.

Zusatztext

Dieser vielleicht finstere, aber auf jeden Fall frische Blick auf Vergangenheit und Gegenwart macht diesen Roman lesenswert.

Bericht

Rietzschel ist derzeit eine der wichtigsten jungen Stimmen Ostdeutschlands. Kevin Hanschke Frankfurter Allgemeine Zeitung 20220527

Produktdetails

Autoren Lukas Rietzschel
Verlag DTV
 
Inhalt Buch
Produktform Fester Einband
Erscheinungsdatum 10.09.2021
Thema Belletristik > Erzählende Literatur
 
EAN 9783423282956
ISBN 978-3-423-28295-6
Anzahl Seiten 288
Abmessung (Verpackung) 13.5 x 2.5 x 21 cm
Gewicht (Verpackung) 386 g
 
Themen Literatur, Familie, Sachsen, Kunst, DDR, Vergangenheit, Deutschland, Gegenwart, Literaturpreis, Ostdeutschland, Alkohol, Familienleben, Gesellschaft, Ostdeutschland, DDR, Brüder, wahre Begebenheit, Stasi, Sprachlosigkeit, Georg Baselitz, Nachwendezeit, auseinandersetzen, Informeller Mitarbeiter
 

Kundenrezensionen

  • Ein etwas anderer Roman über die DDR

    Am 23. Juli 2021 von anonym geschrieben.


    Themen, die typischerweise in Romanen über die DDR verarbeitet werden – Stasi-Bespitzelung, Lebensverhältnisse - werden hier einmal in etwas anderer Art verarbeitet, weshalb ich das Buch für sehr lesenswert halte.
    Erzählt werden (und zwar eher episodenhaft) die Geschichten zweier Familien während der Zeit des Bestehens der DDR und der Zeit nach der Wende. Beide Familien sind miteinander verwoben, wobei das verbindende Element erst sehr spät sichtbar wird. Zum einen ist das die Familie Kern/Baselitz, deren einer Sohn ein bekannter zeitgenössischer Künstler ist und der schon vor dem Mauerbau in den Westen ging unter Zurücklassung vor allem des mit ihm eng verbundenen Bruders, dem das Nachreisen nie mehr gelang. Zum anderen ist da die Familie des jungen Erzählers Jan, geboren 1989, der sich durch die beharrliche Konfrontation mit einem Kern-Nachfahren daran macht, die Geschichte seiner verstorbenen Mutter zu ergründen. Das Auffallendste ist die Sprachlosigkeit in den beiden Familien über ihr Leben in der DDR und ihre Vergangenheitsbewältigung. Darunter hat Jan in der Gegenwart zu leiden, der mit geheimnisvollen Identitätsproblemen konfrontiert wird. Ein guter Ausblick wird auf die Entwicklung der DDR nach der Wende gegeben und wie diese so manchem Bürger den Boden unter den Füßen wegriss.



  • Kopfüber in der Zwischenwelt

    Am 13. Juli 2021 von amara5 geschrieben.

    Schweigen und Sprachlosigkeit dominierten Jans Zuhause in der Lausitz – seine Eltern kamen ihm vor wie Raumfahrer, die in einer Zwischenwelt schwebend gefangen sind. Die alkoholkranke Mutter mittlerweile verstorben, wohnt Jan mit dem in sich gekehrten Vater im Schatten der (ehemaligen) Plattenbauen in Kamenz, schiebt im bald schließenden und von Wildtieren heimgesuchten Krankenhaus Patienten zu den Untersuchungen. Ein mysteriöser Patient namens „Der Alte“ sucht immer wieder Kontakt zu ihm, erzählt von einer Verbindung zum berühmten Deutschbaselitzer Künstler Hans-Georg Kern – alias Georg Baselitz. Zögerlich nimmt Jan eine Dokumentenkiste des Alten entgegen, wühlt sich durch verdrängte Erinnerungen und Zeitgeschichte, durch transgenerationale Traumata und Verschwiegenes, durch Stasi-Vergangenheit und Kunstgeschichte. Langsam kommt er der Verwobenheit seiner Familie mit der Familie Kern auf die Spur und muss sich einem schmerzhaften Familiengeheimnis stellen, dass beiderseits Brüche und über lange Zeit hinweg verletzte Seelen hinterlassen hat.

    Lukas Rietzschel spannt in „Raumfahrer“ episodenhaft einen großen Bogen durch die Zeitgeschichte, von der Nachkriegszeit bis zur Nachwendezeit und verknüpft mit vielen zeitlich unsortierten Rückblenden die schicksalhafte Verbindung zweier Familien mit der Malerei von Georg Baselitz, der in den Westen auswanderte. Bekannt wurde der berühmte Gegenwartskünstler durch seine Figuren auf dem Kopf, gezeichnet von Krieg und falschen Ideologien. Rietzschel erzählt in nüchterner, knapper und auf den Punkt gebrachter Sprache in zwei parallelen Erzählebenen und beleuchtet bewegend wie in „Mit der Faust in die Wand schlagen“ zerrissene Menschen nach den Umbrüchen der Wende, die in der Leere der Gegenwart keinen Halt finden. Arbeitslosigkeit, Tristesse, Landflucht, Leerstand, Haltlosigkeit – wie Baselitz’ Figuren schweben auch diese Menschen kopfüber in einem Vakuum ohne Boden unter den Füßen.

    Sehr atmosphärisch und skizzenhaft entrollt Rietzschel ein feinfühliges und bewegendes Stück Erinnerungskultur und Aufarbeitung, das neben der präzisen Beschreibungen von Baselitz’ Kunst zwei auseinandergerissene Familien porträtiert und dabei sowie DDR- und Kriegsschrecken miteinbezieht. Manchen Zeitsprüngen im fiktiven Roman fällt es schwer ad hoc zu folgen und doch entwickelt sich Stück für Stück ein vielschichtiges, größeres und eindringliches Bild über Zugehörigkeit, Vergangenheitsbewältigung und alten, unausgesprochenen Wunden, die bis ins Heute wirken – eingebettet in präzise eingefangener Zeitgeschichte.

    „Ein untergegangener Staat, eine gescheiterte Idee, deren Anhänger er ja zwangsläufig gewesen war, qua Geburt. Darüber war sich die Welt einig. Der Westen. Also versuchte Vater, seine Spuren zu verwischen. Manchmal zog er einen Reisigbesen hinter sich her, manchmal einen Bulldozer.“ S. 181

  • Im Schwebezustand

    Am 08. Juli 2021 von bobbi geschrieben.

    Manche Erinnerungen sind so schmerzhaft, dass sie lieber verdrängt oder in einer Kiste verschlossen werden. Lukas Rietzschel zeigt anhand zweier verwobener Familiengeschichten aus der Lausitz, wie solche Traumata von der Nachkriegszeit bis zur Nachwendezeit transgenerational weitergegeben werden, wenn nicht darüber gesprochen wird. Wie auch in „Mit der Faust in die Wand schlagen“ hat er ein feinfühliges und exaktes Gespür für das Seelenleben von Menschen, die ein zerrissenes, verlassenes Leben nach den Umbrüchen der DDR-Wende führen.

    Auf zwei Erzählebenen verknüpft Rietzschel authentisch die Biografien von Jan, der im Krankenhaus arbeitet und den Zerfall sowie Leerstand seiner ländlichen Gegend präzise beobachtet, mit der Familie Kern. Während das Krankenhaus geschlossen werden soll und schon von Wildtieren in Besitz genommen wird, lässt ein Patient nicht locker und drückt ihm eine Kiste voller alter Dokumente in die Hand. „Der Alte“ behauptet, dass es eine Verbindung von Jans Familie zu den Kerns aus Kamenz gäbe – von dieser stammt auch der berühmte Künstler Georg Baselitz, der in den Westen ausgewandert ist. Zuhause beim Vater stößt Jan auf Schweigen und Abwehr – nur zögerlich widmet er sich dem Inhalt der Kiste und findet eine Menge über die Zusammenhänge heraus und welche Vergangenheit seine verstorbene, alkoholkranke Mutter hatte. Alte Wunden werden subtil aufgebrochen, fügen sich zu einem zusammenhängenden Leporello zweier Familien zusammen.

    Die Zeitebenen und Handlungsstränge im fiktiven Roman sind chronologisch gewürfelt, doch nach und nach entfaltet sich ein facettenreiches Bild über Erinnerungen, Geheimnisse und Verrat – Lukas Rietzschel schreibt klar, einfühlsam und bringt die Stimmungen und Ereignisse immer exakt auf den Punkt. Skizzenhaft wird aus dem Leben von Günter und seinem Bruder Baselitz erzählt – was es heißt, wenn Familien auseinander gehen und bespitzelt werden, aber auch Baselitz’ Bilder beschreibt Rietzschel bildgewaltig und ergreifend. Wie die Nachkriegszeit Leben für immer verändert und traumatisiert hat, fließen in Baselitz’ Gemälden szenisch ein und auch ein verschwundenes Werk spielt eine Rolle. Doch auch die DDR-Zeit hat viele gezeichnet und belastet, über vieles wurde jahrzehntelang geschwiegen. Auch Jans Eltern erscheinen dem jungen Mann wie Raumfahrer, nicht im Davor und nicht im Danach – im Schwebezustand ohne Andock-Stellen. So wie viele Menschen nach der Wende, die sich im Schatten der früheren Plattenbauten nicht mehr dazugehörig fühlen. Ein eindringliches, ruhiges und bewegendes Aufarbeitungswerk über gespaltene Menschen sowie Biografien zwischen den Welten.

  • Gut beobachtet

    Am 28. Juni 2021 von raschke64 geschrieben.

    Jan arbeitet in einem Krankenhaus in einer Kleinstadt im Osten von Sachsen. Doch das Krankenhaus soll demnächst geschlossen werden. Auch ansonsten hat die Kleinstadt wenig zu bieten. Statt Schule und Sportplatz ein Supermarkt. Kaum Kultur.
    Ein Patient gibt Jan Unterlagen, die scheinbar nachweisen, dass die Familie von Jan mit der Familie des berühmten Malers Georg Baselitz verbunden ist. Doch Jans Vater reagiert nur wütend darauf.

    Dem Autor ist erneut gelungen, durch sehr genaue Beobachtungen den Zustand der Menschen speziell im ländlichen Bereich und kleineren Städten im Osten aufzuzeigen. Verbunden wird das ganze hier mit der Familiengeschichte des Malers Georg Baselitz, aber noch mehr mit dessen Bruder, der im Osten geblieben ist. Während man sich anfangs etwas schwer hineinfindet, nimmt der Verlauf des Buches eine steil nach oben zeigende Kurve. Immer mehr erkennt man die Verbindungen zwischen den einzelnen Personen, aber auch die zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Und genau das ist das Problem. Die DDR-Vergangenheit wird negiert und von außen erklärt. Eine Zukunft im Westen gibt es in diesen Bereichen eher wenig. Die Menschen fühlen sich oft alleingelassen und nirgendwo zugehörig. Genau das beschreibt der Autor ganz klar und deutlich.

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