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Es gibt kein Wirtschaftssystem ohne Korruption, wie es kein Gesellschaftssystem ohne Prostitution gibt. Beide, Korruption und Prostitution, sind so alt wie die Mensch heitsgeschichte, beide werden regionalspezifisch gehandhabt und beide sind von jeher ambivalent angesehen. Das ist auch heute noch so; die fortschreitende glo balökonomische Arbeitsteilung zwingt jetzt aber viele Unternehmen, weltweit Korrup tionspraktiken zu studieren, die ihnen selbst fremd sind. Die rund 180 Nationalökonomien, die es z. Zt. auf der Erde gibt, sind u.a. nach den mehr oder weniger großen Einflüssen von organisierten Politikern auf das alltägliche Wirtschaftsleben zu unterscheiden. So gesehen, sind es die beiden idealtypischen, d.h. nicht real existierenden Extreme: "Völlig freie Marktwirtschaft" einerseits und "total dirigistische Planwirtschaft" andererseits. Werden alle wirklich bestehenden Wirtschaftssysteme dazwischen irgendwo gedanklich plaziert, dann sind in erster Näherung die Verbreitung und das Gewicht der Korruption aus ihrer Position in die sem Kontinuum abzuschätzen nach der Faustregel: Je größer die Schnittmenge von politischen und ökonomischen Aktivitäten, desto mehr Korruption. Diese Regel gilt für ganze Volkswirtschaften, aber auch für deren abgrenzbare Sektoren, wie Branchen (z.B. Rüstungsindustrie oder Bauwirtschaft) und Regionen (z.B. Großstädte oder Regierungsbezirke).
Über den Autor / die Autorin
Sabine Krug promovierte am Lehrstuhl von Prof. Dr. Gert-Harald von Kortzfleisch an der Universität Mannheim.
Zusammenfassung
Die Vielfältigkeit ihrer Erscheinungsformen macht Korruption zu einem Phänomen, das schwer zu erfassen und kaum allgemeingültig darzustellen ist. Insbesondere der Aspekt, ob und wieweit das umgebende Wirtschaftssystem zum Aufkommen von Korruption beiträgt, ist bisher nur unzureichend geklärt. Sabine Krug zeigt, daß Korruption in jedem Wirtschaftssystem vorkommt und sich lediglich nach Art und Umfang unterscheidet. Nach der Darstellung der Ursachen und Erscheinungsformen der Korruption in marktorientierten Wirtschaftssystemen folgt eine Analyse der Korruption in Planwirtschaften. Die Autorin verdeutlicht, wie Transformationsprozesse von Plan- zu Marktwirtschaften durch Korruption verzögert oder beschleunigt werden können. Abschließend werden die Grenzen aufgezeigt, die komparatorischen Analysen der Korruption in verschiedenen Wirtschaftssystemen gesetzt sind.