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So spektakulär W.G. Sebald die Beziehung zwischen Leben und Werk Alfred Anderschs skandalisierte, so entschieden lehnte man vor allem in Deutschland diesen Ansatz als unzulässiges Verquicken von strikt zu Trennendem ab. Deshalb bleibt bis heute offen, wie sich bei Andersch literarische Konstruktion und lebensgeschichtlicher Stoff tatsächlich zueinander verhalten. Zur Klärung dieser Frage arbeiten nun Literatur- und Geschichtswissenschaftler eng zusammen. Könnte es sein, dass gerade Autoren wie Andersch, die sich selber als non-konformistisch bezeichneten, zu "Konformisten eines biografischen Moralismus" (U. Wittstock) wurden, der es ihnen erschwerte, sich zu Zugeständnissen an das NS-Regime, und seien es vergleichsweise geringe, nachträglich zu bekennen? Auch die Motivationslagen Sebalds werden in den hier präsentierte Beiträgen angesprochen und diskutiert. Die Ergebnisse dürften für alle interessant sein, die sich mit Problemen und Verdiensten der deutschen Nachkriegsliteratur beschäftigen.
Über den Autor / die Autorin
Prof. Dr. Jörg Döring lehrt als Juniorprofessor für Neuere deutsche Literatur und Medien an der Universität Siegen und ist Leiter des Teilprojekts 'Media Geography' am SFB/FK 615 'Medienumbrüche' an der Universität Siegen.
Bericht
"War Andersch tatsächlich nichts weiter als ein typischer Fall einer literarisch inszenierten "kumulativen Heroisierung" (Harald Welzer) nach dem Zweiten Weltkrieg? Der vorgestellte Band versucht, darauf differenzierte philologische und geschichtswissenschaftliche Antworten zu geben."
J. S. in: www.literaturkritik.de