Descrizione
Dettagli sul prodotto
| Autori | Lukas Rietzschel |
| Editore | DTV |
| Contenuto | Libro |
| Forma del prodotto | Copertina rigida |
| Data pubblicazione | 10.09.2021 |
| Categoria |
Narrativa |
| EAN | 9783423282956 |
| ISBN | 978-3-423-28295-6 |
| Numero di pagine | 288 |
| Dimensioni (della confezione) | 13.5 x 2.5 x 21 cm |
| Peso (della confezione) | 386 g |
| Categorie |
Literatur |
Recensioni dei clienti
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Ein etwas anderer Roman über die DDR
Themen, die typischerweise in Romanen über die DDR verarbeitet werden – Stasi-Bespitzelung, Lebensverhältnisse - werden hier einmal in etwas anderer Art verarbeitet, weshalb ich das Buch für sehr lesenswert halte.
Erzählt werden (und zwar eher episodenhaft) die Geschichten zweier Familien während der Zeit des Bestehens der DDR und der Zeit nach der Wende. Beide Familien sind miteinander verwoben, wobei das verbindende Element erst sehr spät sichtbar wird. Zum einen ist das die Familie Kern/Baselitz, deren einer Sohn ein bekannter zeitgenössischer Künstler ist und der schon vor dem Mauerbau in den Westen ging unter Zurücklassung vor allem des mit ihm eng verbundenen Bruders, dem das Nachreisen nie mehr gelang. Zum anderen ist da die Familie des jungen Erzählers Jan, geboren 1989, der sich durch die beharrliche Konfrontation mit einem Kern-Nachfahren daran macht, die Geschichte seiner verstorbenen Mutter zu ergründen. Das Auffallendste ist die Sprachlosigkeit in den beiden Familien über ihr Leben in der DDR und ihre Vergangenheitsbewältigung. Darunter hat Jan in der Gegenwart zu leiden, der mit geheimnisvollen Identitätsproblemen konfrontiert wird. Ein guter Ausblick wird auf die Entwicklung der DDR nach der Wende gegeben und wie diese so manchem Bürger den Boden unter den Füßen wegriss. -
Kopfüber in der Zwischenwelt
Schweigen und Sprachlosigkeit dominierten Jans Zuhause in der Lausitz – seine Eltern kamen ihm vor wie Raumfahrer, die in einer Zwischenwelt schwebend gefangen sind. Die alkoholkranke Mutter mittlerweile verstorben, wohnt Jan mit dem in sich gekehrten Vater im Schatten der (ehemaligen) Plattenbauen in Kamenz, schiebt im bald schließenden und von Wildtieren heimgesuchten Krankenhaus Patienten zu den Untersuchungen. Ein mysteriöser Patient namens „Der Alte“ sucht immer wieder Kontakt zu ihm, erzählt von einer Verbindung zum berühmten Deutschbaselitzer Künstler Hans-Georg Kern – alias Georg Baselitz. Zögerlich nimmt Jan eine Dokumentenkiste des Alten entgegen, wühlt sich durch verdrängte Erinnerungen und Zeitgeschichte, durch transgenerationale Traumata und Verschwiegenes, durch Stasi-Vergangenheit und Kunstgeschichte. Langsam kommt er der Verwobenheit seiner Familie mit der Familie Kern auf die Spur und muss sich einem schmerzhaften Familiengeheimnis stellen, dass beiderseits Brüche und über lange Zeit hinweg verletzte Seelen hinterlassen hat.
Lukas Rietzschel spannt in „Raumfahrer“ episodenhaft einen großen Bogen durch die Zeitgeschichte, von der Nachkriegszeit bis zur Nachwendezeit und verknüpft mit vielen zeitlich unsortierten Rückblenden die schicksalhafte Verbindung zweier Familien mit der Malerei von Georg Baselitz, der in den Westen auswanderte. Bekannt wurde der berühmte Gegenwartskünstler durch seine Figuren auf dem Kopf, gezeichnet von Krieg und falschen Ideologien. Rietzschel erzählt in nüchterner, knapper und auf den Punkt gebrachter Sprache in zwei parallelen Erzählebenen und beleuchtet bewegend wie in „Mit der Faust in die Wand schlagen“ zerrissene Menschen nach den Umbrüchen der Wende, die in der Leere der Gegenwart keinen Halt finden. Arbeitslosigkeit, Tristesse, Landflucht, Leerstand, Haltlosigkeit – wie Baselitz’ Figuren schweben auch diese Menschen kopfüber in einem Vakuum ohne Boden unter den Füßen.
Sehr atmosphärisch und skizzenhaft entrollt Rietzschel ein feinfühliges und bewegendes Stück Erinnerungskultur und Aufarbeitung, das neben der präzisen Beschreibungen von Baselitz’ Kunst zwei auseinandergerissene Familien porträtiert und dabei sowie DDR- und Kriegsschrecken miteinbezieht. Manchen Zeitsprüngen im fiktiven Roman fällt es schwer ad hoc zu folgen und doch entwickelt sich Stück für Stück ein vielschichtiges, größeres und eindringliches Bild über Zugehörigkeit, Vergangenheitsbewältigung und alten, unausgesprochenen Wunden, die bis ins Heute wirken – eingebettet in präzise eingefangener Zeitgeschichte.
„Ein untergegangener Staat, eine gescheiterte Idee, deren Anhänger er ja zwangsläufig gewesen war, qua Geburt. Darüber war sich die Welt einig. Der Westen. Also versuchte Vater, seine Spuren zu verwischen. Manchmal zog er einen Reisigbesen hinter sich her, manchmal einen Bulldozer.“ S. 181 -
Im Schwebezustand
Manche Erinnerungen sind so schmerzhaft, dass sie lieber verdrängt oder in einer Kiste verschlossen werden. Lukas Rietzschel zeigt anhand zweier verwobener Familiengeschichten aus der Lausitz, wie solche Traumata von der Nachkriegszeit bis zur Nachwendezeit transgenerational weitergegeben werden, wenn nicht darüber gesprochen wird. Wie auch in „Mit der Faust in die Wand schlagen“ hat er ein feinfühliges und exaktes Gespür für das Seelenleben von Menschen, die ein zerrissenes, verlassenes Leben nach den Umbrüchen der DDR-Wende führen.
Auf zwei Erzählebenen verknüpft Rietzschel authentisch die Biografien von Jan, der im Krankenhaus arbeitet und den Zerfall sowie Leerstand seiner ländlichen Gegend präzise beobachtet, mit der Familie Kern. Während das Krankenhaus geschlossen werden soll und schon von Wildtieren in Besitz genommen wird, lässt ein Patient nicht locker und drückt ihm eine Kiste voller alter Dokumente in die Hand. „Der Alte“ behauptet, dass es eine Verbindung von Jans Familie zu den Kerns aus Kamenz gäbe – von dieser stammt auch der berühmte Künstler Georg Baselitz, der in den Westen ausgewandert ist. Zuhause beim Vater stößt Jan auf Schweigen und Abwehr – nur zögerlich widmet er sich dem Inhalt der Kiste und findet eine Menge über die Zusammenhänge heraus und welche Vergangenheit seine verstorbene, alkoholkranke Mutter hatte. Alte Wunden werden subtil aufgebrochen, fügen sich zu einem zusammenhängenden Leporello zweier Familien zusammen.
Die Zeitebenen und Handlungsstränge im fiktiven Roman sind chronologisch gewürfelt, doch nach und nach entfaltet sich ein facettenreiches Bild über Erinnerungen, Geheimnisse und Verrat – Lukas Rietzschel schreibt klar, einfühlsam und bringt die Stimmungen und Ereignisse immer exakt auf den Punkt. Skizzenhaft wird aus dem Leben von Günter und seinem Bruder Baselitz erzählt – was es heißt, wenn Familien auseinander gehen und bespitzelt werden, aber auch Baselitz’ Bilder beschreibt Rietzschel bildgewaltig und ergreifend. Wie die Nachkriegszeit Leben für immer verändert und traumatisiert hat, fließen in Baselitz’ Gemälden szenisch ein und auch ein verschwundenes Werk spielt eine Rolle. Doch auch die DDR-Zeit hat viele gezeichnet und belastet, über vieles wurde jahrzehntelang geschwiegen. Auch Jans Eltern erscheinen dem jungen Mann wie Raumfahrer, nicht im Davor und nicht im Danach – im Schwebezustand ohne Andock-Stellen. So wie viele Menschen nach der Wende, die sich im Schatten der früheren Plattenbauten nicht mehr dazugehörig fühlen. Ein eindringliches, ruhiges und bewegendes Aufarbeitungswerk über gespaltene Menschen sowie Biografien zwischen den Welten. -
Gut beobachtet
Jan arbeitet in einem Krankenhaus in einer Kleinstadt im Osten von Sachsen. Doch das Krankenhaus soll demnächst geschlossen werden. Auch ansonsten hat die Kleinstadt wenig zu bieten. Statt Schule und Sportplatz ein Supermarkt. Kaum Kultur.
Ein Patient gibt Jan Unterlagen, die scheinbar nachweisen, dass die Familie von Jan mit der Familie des berühmten Malers Georg Baselitz verbunden ist. Doch Jans Vater reagiert nur wütend darauf.
Dem Autor ist erneut gelungen, durch sehr genaue Beobachtungen den Zustand der Menschen speziell im ländlichen Bereich und kleineren Städten im Osten aufzuzeigen. Verbunden wird das ganze hier mit der Familiengeschichte des Malers Georg Baselitz, aber noch mehr mit dessen Bruder, der im Osten geblieben ist. Während man sich anfangs etwas schwer hineinfindet, nimmt der Verlauf des Buches eine steil nach oben zeigende Kurve. Immer mehr erkennt man die Verbindungen zwischen den einzelnen Personen, aber auch die zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Und genau das ist das Problem. Die DDR-Vergangenheit wird negiert und von außen erklärt. Eine Zukunft im Westen gibt es in diesen Bereichen eher wenig. Die Menschen fühlen sich oft alleingelassen und nirgendwo zugehörig. Genau das beschreibt der Autor ganz klar und deutlich.
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