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"Nur ein Durchgangsland"
Arbeitslager und Internierungsheime für Flüchtlinge und Emigranten in der Schweiz 1940–1949

Tedesco · Tascabile

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Traditionellerweise herrscht die Vorstellung vor, die Generation, die den Zweiten Weltkrieg in der Schweiz miterlebt hat - die so genannte Aktivdienstgeneration - sei eine homogene Einheit gewesen: abwehrbereit und geschlossen. Doch war dies wirklich der Fall? Die vorliegende Studie zeigt durch eine Analyse von Interviews, Erinnerungsschriften, milit¿heoretischer Literatur, Propagandatexten und Archivquellen, dass das traditionelle Bild der Aktivdienstgeneration im wesentlichen durch die Propaganda der geistigen Landesverteidigung gepr¿ war. Die gegen Ende der dreissiger Jahre zunehmend polarisierte Geschlechterordnung spielte dabei eine zentrale Rolle. Das Bild des Wehrmannes, der mit dem Karabiner in der Hand die daheim gebliebene Familie besch¿tzt, sowie das Bild der Schweizerin als Hausfrau und selbstlose Unterst¿tzerin ihres wehrpflichtigen Mannes wurden zu normativen Leitbildern. Doch hinter diesen Propagandabildern verbarg sich ein h¿chst widerspr¿chlicher Alltag. Die Soldaten im milit¿schen Aktivdienst klagten ¿ber den andauernden Drill und verd¿tigten ihre Offiziere, die von ¿wahrem Soldatentum¿ und totalem Gehorsam tr¿ten, der Sympathie mit dem Nationalsozialismus. Im Offizierskorps entbrannte w¿end des Krieges ein Machtkampf, bei dem es unter anderem um konkurrierende Vorstellungen der milit¿schen Ausbildung ging und in dem sich unterschiedliche Ansichten zur gesellschaftlichen Positionierung der Armee mit unterschiedlichen M¿lichkeitskonzepten vermischten. Der R¿ckzug der Armee ins Alpenreduit schliesslich, nach dem Krieg das Sinnbild des schweizerischen Widerstandswillens, stellte w¿end des Krieges die bis dahin bestehende identit¿stiftende Balance zwischen der sch¿tzenden Armee und der zu besch¿tzenden Zivilbev¿lkerung auf den Kopf. Erstmals wird in dieser Studie deutlich, mit welchen diskursiven Mitteln die Armeef¿hrung die Reduitstrategie sinnhaft machte, und erstmals wird gezeigt, dass der wahre Inhalt der Reduitstrategie bis gegen Ende des Krieges vor der Zivilbev¿lkerung geheim gehalten wurde. Als eines der wenigen L¿er war die Schweiz zwischen 1939 und 1945 von den Folgen der kriegerischen Gewalt weitgehend verschont geblieben. Die Propagandabilder der Kriegszeit, insbesondere die polarisierten Geschlechtervorstellungen blieben deshalb noch jahrzehntelang wirkungsm¿tig. Dies war einer der Gr¿nde, warum in der Schweiz die Frauen als letzte in Europa die politischen Rechte zugesprochen erhielten. Das traditionelle Geschichtsbild der Nachkriegszeit stabilisierte die bestehenden sozialen Machtverh¿nisse und wirkte als Deckerinnerung f¿r die disparaten Erfahrungen der Kriegszeit.


Riassunto

Traditionellerweise herrscht die Vorstellung vor, die Generation, die den Zweiten Weltkrieg in der Schweiz miterlebt hat - die so genannte Aktivdienstgeneration - sei eine homogene Einheit gewesen: abwehrbereit und geschlossen. Doch war dies wirklich der Fall? Die vorliegende Studie zeigt durch eine Analyse von Interviews, Erinnerungsschriften, militärtheoretischer Literatur, Propagandatexten und Archivquellen, dass das traditionelle Bild der Aktivdienstgeneration im wesentlichen durch die Propaganda der geistigen Landesverteidigung geprägt war. Die gegen Ende der dreissiger Jahre zunehmend polarisierte Geschlechterordnung spielte dabei eine zentrale Rolle. Das Bild des Wehrmannes, der mit dem Karabiner in der Hand die daheim gebliebene Familie beschützt, sowie das Bild der Schweizerin als Hausfrau und selbstlose Unterstützerin ihres wehrpflichtigen Mannes wurden zu normativen Leitbildern. Doch hinter diesen Propagandabildern verbarg sich ein höchst widersprüchlicher Alltag. Die Soldaten im militärischen Aktivdienst klagten über den andauernden Drill und verdächtigten ihre Offiziere, die von 'wahrem Soldatentum' und totalem Gehorsam träumten, der Sympathie mit dem Nationalsozialismus. Im Offizierskorps entbrannte während des Krieges ein Machtkampf, bei dem es unter anderem um konkurrierende Vorstellungen der militärischen Ausbildung ging und in dem sich unterschiedliche Ansichten zur gesellschaftlichen Positionierung der Armee mit unterschiedlichen Männlichkeitskonzepten vermischten. Der Rückzug der Armee ins Alpenreduit schliesslich, nach dem Krieg das Sinnbild des schweizerischen Widerstandswillens, stellte während des Krieges die bis dahin bestehende identitätsstiftende Balance zwischen der schützenden Armee und der zu beschützenden Zivilbevölkerung auf den Kopf. Erstmals wird in dieser Studie deutlich, mit welchen diskursiven Mitteln die Armeeführung die Reduitstrategie sinnhaft machte, und erstmals wird gezeigt, dass der wahre Inhalt der Reduitstrategie bis gegen Ende des Krieges vor der Zivilbevölkerung geheim gehalten wurde. Als eines der wenigen Länder war die Schweiz zwischen 1939 und 1945 von den Folgen der kriegerischen Gewalt weitgehend verschont geblieben. Die Propagandabilder der Kriegszeit, insbesondere die polarisierten Geschlechtervorstellungen blieben deshalb noch jahrzehntelang wirkungsmächtig. Dies war einer der Gründe, warum in der Schweiz die Frauen als letzte in Europa die politischen Rechte zugesprochen erhielten. Das traditionelle Geschichtsbild der Nachkriegszeit stabilisierte die bestehenden sozialen Machtverhältnisse und wirkte als Deckerinnerung für die disparaten Erfahrungen der Kriegszeit.

Dettagli sul prodotto

Autori Simon Erlanger
Editore Chronos
 
Contenuto Libro
Forma del prodotto Tascabile
Data pubblicazione 01.12.2005
Categoria Saggistica > Storia > XX° secolo (fino al 1945)
Scienze umane, arte, musica > Storia > XX° secolo (fino al 1945)
 
EAN 9783034007436
ISBN 978-3-0340-0743-6
Numero di pagine 278
Illustrazioni schwarz-weiss Illustrationen
Dimensioni (della confezione) 15.5 x 22.5 x 2.5 cm
Peso (della confezione) 450 g
 
Categorie Schweiz; Geschichte, Zweiter Weltkrieg, Flüchtling, Emigration, Arbeitslager, Erste Hälfte 20. Jahrhundert (1900 bis 1950 n. Chr.), Internierung, Überfremdung, auseinandersetzen
 

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