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»Über Stoffe berührten Mutters Hände mich. Ansonsten keine Umarmungen, keine Liebkosungen, sondern nur Zuschneiden, Anheften, Saumabstecken, wobei ihr Körper dem meinen nahekam.«Stoffe, Fäden, Nähen bildeten für eine ganze Generation ein wesentliches Element des Aufwachsens. So auch für die Erzählerin und ihre Brüder, die in prekären Verhältnissen in einem kleinen Dorf in Oberösterreich von ihrer Mutter geradezu eingenäht wurden. Anhand einzelner Kleidungsstücke wird ein ganzes Leben nachgezeichnet, Armut und Ausgrenzung, Scham, aber auch ein Ringen um Emanzipation der Erzählerin als Studentin, Schriftstellerin und Mutter. Sabine Scholl hat einen literarischen Zugriff auf die tiefen Wunden des Lebens gefunden, auf die Scham der Armut, auf den Mangel an mütterlicher Liebe, auf die Prägung der Herkunft, die einen ein Leben lang begleitet.»Die zweite Haut« rührt einen tief an und erinnert an die Werke von Annie Ernaux.
About the author
Sabine Scholl ist in Österreich geboren und aufgewachsen, hat in Wien studiert und lebte in Aveiro, Chicago, New York, Nagoya, wo sie an Universitäten lehrte. Nach ihrer Rückkehr in den deutschsprachigen Raum unterrichtete sie Literarisches Schreiben in Leipzig,Wien und Berlin. Für ihre Romane und Essays hat sie zahlreiche Auszeichnungen erhalten, zuletzt den Anton-Wildgans-Preis der Österreichischen Industrie 2018, den Landeskulturpreis Oberösterreich 2019 und den Literaturpreis der Stadt Wien 2022. Seit 2019 lebt und arbeitet sie wieder in Wien. Zuletzt erschienen ihr Roman "Transit Lissabon" (2024) und die von ihre herausgegebene Sammlung "Haben und Gehabe: Zu Herkunft und Klasse in der Literatur" (2025).