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Einzelheft StudentInnen (Bestellung mit Beilegung einer Inskriptionsbestätigung): Euro 14,40
Beiträge
Christian Flatz: Was ist Kultur? Eine politologische Befragung
Doris Byer: Freiheit und Hybridität. Transkulturelle Lebensentwürfe postkolonialer Einwanderer in Essaouira (Marokko)
Ursula Prutsch: Machtlegitimierung durch kulturelle Inszenierung am Beispiel Brasilien - interamerikanische Perspektiven. Get Pds. lio Vargas, Estado Novo (1937-1945) und die Rolle der USA in Lateinamerika unter Franklin D. Roosevelt
Gerhard Drekonja-Kornat: Kulturverrat. Zur Travestie der Lebensformen in der Dritten Welt
Forum
Guillermo Bonfil Batalla: Für eine Zukunft in Vielfalt
Esteban Krotz: Guillermo Bonfil Batalla (1931-1991), mexikanischer Anthropologe
Vicent Guzmán Mart¡nez: Verschiedene Modernen: das Recht, sich die Zukunft zu gestalten
Wolfgang Dietrich: Bonfils profunde Welten und die unvollendbaren Modernen
Emmánuel Lizcano Fernández: Das Abendland entkolonialisieren
Teresa Frisch-Soto: Kommentar zu Bonfil Batallas Gedanken zur Globalisierung
Wolfgang Schmale: Zur Bildung neuer kultureller Zusammenhänge mittels moderner Informationstechnologien
Neu gelesen
David Mayer: Auf der Suche nach der verlorenen Universalität: Kolonialgeschichte - Revolutionsgeschichte - Weltgeschichte. Manfred Kossok, Ausgewählte Schriften
Aus dem Editorial:
Postkoloniale Räume, Erfahrungen und Kulturen markierten lange Zeit das wilde Außen der Geschichte. In Deutschland formierten sich seit den 1980er Jahren Arbeitskreise zur Außereuropäischen Geschichte, die FachhistorikerInnen und historisch arbeitende KollegInnen der Afrikanistik, (Latein-)Amerikanistik, Orientalistik, der Islamwissenschaften, etc. ansprachen. Sie beabsichtigten, die regionalen Horizonte der Geschichtswissenschaften zu erweitern und eine umfassendere universitäre Lehre und entsprechende Schulausbildung anzubieten. Zwanzig Jahre später müssen wir uns eingestehen, dass Begriff und Inhalte der Außereuropäischen Geschichte die eurozentrische Ordnung legitimieren. Und sie verfestigen die Hierarchien und Repräsentationen dieser Ordnung. Dieser Befund soll HistorikerInnen nicht abschrecken. Im Gegenteil, Globalisierung will verstanden werden.
Wie wurden Kulturen mit der Universalkultur und deren Geschichte mit der Universalgeschichte asymmetrisch in Beziehung gesetzt? Die angeblich universale Ökonomie hat weltweit Verwüstungen angerichtet. Selbst Kulturpuristen müssen sich eingestehen, das wilde Außen ist verschwunden. Doch hat es je existiert? Ist das ins Gerede gekommene Außen nicht grundsätzlich Projektionsfläche für die politische, ökonomische, soziale und damit kulturelle Einhegung "des Anderen"? Ein Begriff wie "außereuropäisch" hört sich nach beliebiger Ein- und Ausgrenzung an. Hilft uns der Postkolonialismusansatz aus dieser unrühmlichen Gasse?
Die Hoffnung ist begründet, denn postkoloniale Theorie lässt sich auf keine wie immer definierte "Universal-" oder gar "Leitkultur" festlegen. Dies immunisiert sie erfreulicherweise gegen fundamentalistische Beschwörungen. Was aber bedeutet postkolonial? Dieses Adjektiv kann sich auf den Status eines Landes beziehen, das seine Unabhängigkeit von der Metropole erreicht hat. In diesem Sinne bezeichnet das Adjektive postkolonial die ökonomischen, politischen, sozialen und kulturellen Merkmale, welche ein entkolonisiertes Land prägen, sowie die Art und Weise, in der das koloniale Erbe verhandelt wird. In ihr postkoloniales Stadium sind aber auch die ehemaligen Kolonialmächte eingetreten. Die ökonomische und kulturelle Ausbeutung ihre ehemaligen profitablen Enklaven aber muss mitgedacht werden. Postkolonialismus bezeichnet ferner die gegenwärtigen Formen der Unterdrückung, die den direkten Kolonialismus abgelöst haben, und prangert sie an. Nationen sowie transnational operierende Unternehmen verfestigen den Mythos von der Unterentwicklung, vom west and the rest. Es gelingt immer noch, den re
About the author
Wolfgang Schmale ist seit Frühjahr 1999 als Universitätsprofessor am Insitut für Geschichte der Universität Wien tätig.§Die Geschichte Europas zählt zu seinen Schwerpunkten in Forschung und Lehre.