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Viele von uns fühlen sich von der Wirklichkeit überfordert, haben Probleme mit ihren Partnerinnen oder Partnern. Frauen erleben sich in ihrer Rolle als Mutter um wesentliche Aspekte ihrer Weiblichkeit reduziert, Eltern eigentümlich hilflos gegenüber den Wünschen und Verhaltensweisen ihrer Kinder. Kein Zweifel: Unser Selbstwertgefühl schwindet, immer mehr Menschen benötigen professionelle Hilfe. Doch woraus resultieren diese zunehmende psychische Labilität und ihre gesellschaftlichen Folgen?
Der Autor zeigt, wie sich in vielen IchStörungen des Erwachsenen eine grundsätzliche Störung des Mutter-Kind-Verhältnisses widerspiegelt. Hierfür steht die mythische Gestalt der Lilith, Adams erster Frau. Sie steht für Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung der Frau, für Sexualität, Lust und Selbstbestimmung, für den Verzicht auf eigene Kinder. Lilith ist die dunkle, die verleugnete Schwester Evas. Die psychische Tabuisierung und Verdrängung der Lilith - der Lilith-Komplex - ist für Frauen und Männer Quelle endlosen Leids, eines erbitterten Geschlechterkampfes und jener massiven Störung des Mutter-Kind-Verhältnisses. Die Diagnose, die Maaz uns stellt, ist in mancher Hinsicht schmerzhaft. Aber sie zeigt auch den Weg, wie Eva und Lilith in uns - in Frauen und Männern - miteinander zu versöhnen sind.
About the author
Hans-Joachim Maaz, Psychiater und Psychoanalytiker, ist Chefarzt der Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik des Diakoniekrankenhauses Halle.