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Eine mehr als menschliche Geschichte der ersten Naturschutzinsel Afrikas.Eine Insel vermeintlich unberührter Natur inmitten eines ökologischen Katastrophengebiets: Während der Viktoriasee weithin als mahnendes Beispiel für die Zerstörung von Biodiversität durch die Ansiedlung invasiver Arten gilt, so steht die Insel Rubondo im Ruf, zu den letzten Resten einer intakten Tier- und Pflanzenwelt in Afrika zu zählen. Doch auch das Artengefüge auf der tansanischen Insel ist durch die Einführung vormals gebietsfremder Spezies verändert worden. Nashörner und Giraffen, Schimpansen und Mantelaffen, Elefanten und Antilopen - in der Umbruchphase der Dekolonisation haben Naturschützer ab 1963 rund einhundert große Säugetiere nach Rubondo gebracht, um die Insel in eine neuzeitliche »Arche Noah« für die bedrohte Fauna Ostafrikas zu verwandeln. Für diese planmäßige Verwilderung mussten die dort lebenden Menschen, die Nyarubondo, die Insel verlassen. Zum ersten Mal erzählt Felix Schürmann die Geschichte der ältesten und größten Naturschutzinsel Afrikas und ordnet die Vorgänge in die aktuellen Debatten um das massenhafte Aussterben von Arten und um die Möglichkeit einer Dekolonisierung von Natur ein. Er zeigt, wie Menschen schon während der deutschen Herrschaft in das Artengefüge von Rubondo eingegriffen und unter kolonialen Voraussetzungen die Bedingungen für das Leben von vielen Spezies verändert haben.
About the author
Felix Schürmann, geb. 1980, ist Historiker mit Schwerpunkten in der Geschichte Afrikas, der maritimen Geschichte und der Geschichte globaler Verflechtungen. Studium der Geschichte und Literaturwissenschaft an der Leibniz-Universität Hannover und der University of Massachusetts Amherst, Promotion 2015 an der Goethe-Universität Frankfurt, Habilitation 2023 an der Universität Erfurt. Forschungs- und Studienaufenthalte u. a. in Äthiopien, Ghana, Namibia, Neuseeland, Tansania und den Vereinigten Staaten.
Veröffentlichungen u. a.: Jenseits des Terrazentrismus: Kartographien der Meere und die Herausbildung der globalen Welt (Mithg. 2022); Der graue Unterstrom: Walfänger und Küstengesellschaften an den tiefen Stränden Afrikas, 1770-1920 (2017).
Summary
Eine mehr als menschliche Geschichte der ersten Naturschutzinsel Afrikas.
Eine Insel vermeintlich unberührter Natur inmitten eines ökologischen Katastrophengebiets: Während der Viktoriasee weithin als mahnendes Beispiel für die Zerstörung von Biodiversität durch die Ansiedlung invasiver Arten gilt, so steht die Insel Rubondo im Ruf, zu den letzten Resten einer intakten Tier- und Pflanzenwelt in Afrika zu zählen. Doch auch das Artengefüge auf der tansanischen Insel ist durch die Einführung vormals gebietsfremder Spezies verändert worden. Nashörner und Giraffen, Schimpansen und Mantelaffen, Elefanten und Antilopen – in der Umbruchphase der Dekolonisation haben Naturschützer ab 1963 rund einhundert große Säugetiere nach Rubondo gebracht, um die Insel in eine neuzeitliche »Arche Noah« für die bedrohte Fauna Ostafrikas zu verwandeln. Für diese planmäßige Verwilderung mussten die dort lebenden Menschen, die Nyarubondo, die Insel verlassen. Zum ersten Mal erzählt Felix Schürmann die Geschichte der ältesten und größten Naturschutzinsel Afrikas und ordnet die Vorgänge in die aktuellen Debatten um das massenhafte Aussterben von Arten und um die Möglichkeit einer Dekolonisierung von Natur ein. Er zeigt, wie Menschen schon während der deutschen Herrschaft in das Artengefüge von Rubondo eingegriffen und unter kolonialen Voraussetzungen die Bedingungen für das Leben von vielen Spezies verändert haben.