Beschreibung
Produktdetails
| Autoren | Jacqueline Harpman |
| Mitarbeit | Luca Homburg (Übersetzung) |
| Verlag | Klett-Cotta |
| Inhalt | Buch |
| Produktform | Fester Einband |
| Erscheinungsdatum | 14.03.2026 |
| Thema |
Belletristik |
| EAN | 9783608966701 |
| ISBN | 978-3-608-96670-1 |
| Anzahl Seiten | 224 |
| Abmessung (Verpackung) | 14 x 2 x 21 cm |
| Gewicht (Verpackung) | 314 g |
| Originaltitel | Moi Qui N'ai Pas Connu Les Hommes |
| Themen |
Kommunikation |
Kundenrezensionen
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Feminismus??
Ich hatte mir von diesem Buch deutlich mehr erwartet. Die Grundidee ist eigentlich spannend: Eine Gruppe von Frauen lebt unter mysteriösen Umständen eingesperrt und muss sich nach ihrer Befreiung in einer leeren, ungewissen Welt zurechtfinden. Gerade der Titel und die Prämisse ließen für mich eine stärker feministische oder gesellschaftskritische Auseinandersetzung erwarten, etwa mit Geschlechterrollen, Machtstrukturen oder der Frage, was eine Gesellschaft ohne Männer oder mit völlig neuen Bedingungen sein könnte.
Leider bleibt das Buch für mich in dieser Hinsicht etwas rätselhaft, mit einem feministischen Buch wie Der Report der Magd kann es für mich nicht mithalten. Gerade das Potenzial für eine tiefere feministische oder gesellschaftliche Analyse wird meiner Meinung nach kaum ausgeschöpft. Auch Aussagen wie, dass Frauen sich nur für Männer geschminkt hätten, finde ich fragwürdig... womöglich habe ich die Pointe aber auch nicht ganz verstanden.
Auch die Figuren bleiben relativ blass. Obwohl mehrere Frauen gemeinsam diese außergewöhnliche Situation erleben, entwickeln sie sich nur begrenzt zu eigenständigen Charakteren. Dadurch fällt es schwer, eine emotionale Bindung aufzubauen oder ihre Dynamiken wirklich spannend zu finden.
Was jedoch spannend war ist die ungewöhnliche Erzählperspektive. Die Erzählerin wächst ohne gesellschaftliche Prägung auf und beobachtet die Welt deshalb mit einer sehr nüchternen, fast wissenschaftlichen Distanz. Diese Perspektive führt stellenweise zu interessanten Gedanken darüber, wie stark unser Verhalten eigentlich sozial gelernt ist.
Insgesamt ist „Ich, die ich Männer nicht kannte“ kein schlechtes Buch, aber für mich blieb es hinter seinen Möglichkeiten zurück. Die interessante Ausgangsidee hätte viel Raum für eine tiefere gesellschaftliche oder feministische Reflexion geboten, die ich hier leider vermisst habe. Deshalb landet das Buch für mich eher im mittleren/schlechtern Bereich. -
Eine sehr düstere, dystopische Zukunft
Dieses Buch ist eine dystopische Reise in eine Zukunft, in der es keine Antworten gibt.
Jacqueline Harpmans Geschichte überzeugt dadurch, dass sie alles offen lässt und man selbst in der Rolle der überforderten Frauen steckt, die nicht wissen, wo sie sind, weshalb sie dort sind, wie sie dort hingekommen sind und ob sonst noch jemand lebt.
Die Protagonistin, die nicht einmal ihren eigenen Namen kennt und immer nur als "die Kleine" angesprochen wird, irrt ihr Leben lang durch eine dystopische Welt, in der sie nie Antworten findet und wie der Name schon sagt - nie Männer kennenlernt.
Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich dieses Buch eigentlich finde und schlussendlich muss ich sagen, dass es mir sehr gut gefallen hat, dass alles so offen geblieben ist. Gleichzeitig kann ich aber auch nachvollziehen, dass dies wahrscheinlich auch der größte Kritikpunkt an diesem Buch sein kann. -
Wird dem Hype nicht gerecht
Der Hype um dieses Buch und die Ankündigung im Klappentext, dass es so feministisch sei wie „Der Report der Magd“ haben mich neugierig gemacht und ich bin mit entsprechend hohen Erwartungen herangegangen. Diese haben sich allerdings nicht erfüllt.
39 Frauen und eine Jugendliche sind seit vielen Jahren hinter Gittern in einem Keller eingesperrt. Sie dürfen sich gegenseitig nicht berühren und werden von bewaffneten Wächtern rund um die Uhr bewacht. Wie lange genau, wissen sie nicht, ihre Erinnerung an das Leben zuvor ist nur bruchstückhaft vorhanden. Eines Tages ertönt plötzlich ein Alarmsignal und die Wächter verschwinden spurlos. Durch einen glücklichen Zufall können die Frauen entkommen und finden sich in einer kargen Landschaft wieder, in der sie lernen müssen zu überleben.
Der Roman ist aus der Ich-Perspektive der Frau geschrieben, die zum Zeitpunkt der Befreiung eine Jugendliche von ca. 12 bis 15 Jahren war. Der Schreibstil ist flüssig zu lesen, einzelne Themen – die Unfruchtbarkeit der Protagonistin, ihre Neugier, etwas über Sexualität und Männer zu erfahren, die Gespräche der anderen Frauen darüber – wiederholen sich jedoch immer wieder, was beim Lesen etwas ermüdend ist.
Der Roman wurde erstmals 1995 veröffentlicht. Es mag sein, dass er unter damaligen Gesichtspunkten feministische Ansätze hatte, allein schon, weil eine Gruppe von Frauen im Mittelpunkt der Handlung steht und es keine männlichen Hauptfiguren gibt. Aus heutiger Sicht empfinde ich dieses Buch jedoch nicht als feministisch. Die Frauen wirken erstaunlich passiv und ideenlos. Sie sehnen sich nach ihrem alten Leben mit Männern, Sexualität und Kindern und betrachten ein Leben ohne Nachkommen als hoffnungs- und sinnlos. Sie bilden zwar eine Zweckgemeinschaft und lassen sich nieder, sind als Gruppe aber nicht fähig, methodisch vorzugehen, die Gegend systematisch zu erkunden und zumindest Versuche zu unternehmen, sich autark mit Nahrung zu versorgen. Auch wenn diese Versuche aufgrund der örtlichen Gegebenheiten scheitern sollten, wäre zumindest der Wille erkennbar gewesen. Für einen feministischen Roman fehlt mir ein Aufbäumen gegen die Situation. Lediglich die Protagonistin zeigt Neugier und Tatendrang. Auch dass die Frauen ihr spärliches Wissen nur widerwillig an die Protagonistin weitergeben, weil es sowieso sinnlos ist, zeigt, dass sie von Anfang an resigniert haben.
Die Grundsituation, sich als Frauengruppe in einer lebensfeindlichen, unbekannten Umgebung wiederzufinden, fand ich sehr interessant, ebenso die unterschiedlichen Reaktionen der älteren, in der bekannten Welt sozialisierten Frauen und der jugendlichen Protagonistin. Sie müssen sich mit Einsamkeit und existentiellen Fragen auseinandersetzen: Was ist der Sinn des Lebens? Und was macht ein Leben lebenswert?
Allerdings empfinde ich den Weltenbau als sehr unglücklich und völlig unlogisch. Mag sein, dass ich als Mathematikerin hierauf besonders viel Wert lege und andere sich daran weniger stören. Der Roman liefert jedoch keinerlei Antworten bezüglich der Energieversorgung, dem plötzlichen Verschwinden der Bewacher, die sich geradezu in Luft auflösen, dem Ort an sich (Erde? Exoplanet?) und vielen anderen Punkten, die ich hier nicht aufzählen kann ohne zu spoilern.
So faszinierend die Protagonistin ist, scheint mir ihre Figurenzeichnung doch nicht schlüssig: Sie war vermutlich ein Kleinkind, als sie in den Keller kam, durfte niemals berührt werden, bekam wenig Ansprache, keine Zuneigung und nicht einmal einen Namen. Sie hatte kein Spielzeug, kaum sensorische und intellektuelle Reize. Ich würde hier Anzeichen von Hospitalismus vermuten, Ängste, Unsicherheit und eine reduzierte geistige Entwicklung. Sie ist im Gegenteil eher neugierig, mutig und erstaunlich eloquent und hat lediglich emotionale Defizite. Ferner zieht sie als einzige logische Schlüsse und besitzt die Fähigkeit zu abstrahieren.
Insgesamt wiegen diese Punkte für mich so schwer, dass ich diesem Roman leider nur wenig abgewinnen kann. -
Gedankenspiel über das Menschsein
Vierzig Frauen erwachen in einem Käfig. Keine Erinnerung an den Weg dorthin, kein Wissen über ein Außen, keinen Hinweis auf Sinn oder Zweck ihrer Gefangenschaft. Auch wir als Leser tasten im Dunkeln. Harpman lässt uns dieselbe Ratlosigkeit spüren wie ihre Figuren. Fragen entstehen, bleiben stehen, verhallen. Antworten sind hier selten, vielleicht sogar nebensächlich.
Wer eine klassische Dystopie erwartet, mit klarer Bedrohung, erklärter Welt oder dramatischem Plot, wird überrascht sein. Dieses Buch geht einen anderen Weg. Es ist stiller, nachdenklicher. Die eigentliche Spannung liegt nicht im Geschehen, sondern in den Gedanken, die zwischen den Zeilen wachsen.
Aus der seltsamen Situation heraus entfaltet Harpman ein philosophisches Experiment: Was bleibt vom Menschsein, wenn die bekannten Strukturen verschwinden? Was bedeutet es, eine Frau zu sein, wenn es keine Männer, keine Gesellschaft, keine Rollenbilder mehr gibt? Die Figuren müssen sich selbst und einander neu erfinden, während Erinnerungen verblassen und eine andere Form von Leben langsam Gestalt annimmt.
Der Roman ist kurz und doch erstaunlich dicht. Er liest sich wie eine ruhige, manchmal unheimliche Gedankenskizze über Identität, Einsamkeit und Freiheit. Ein Buch, das zum Nachdenken anregt, auch lange nachdem man die letzte Seite beendet hat. -
Suche nach Identität
Der Roman „Ich, die ich Männer nicht kannte“ von Jacqueline Harpman erzählt die Geschichte einer Frau, die gemeinsam mit anderen Frauen unter rätselhaften Umständen gefangen gehalten wird. Nach ihrer Befreiung beginnt für sie eine Suche nach Identität, Freiheit und dem Sinn menschlichen Zusammenlebens.
Obwohl das Buch bereits vor einigen Jahren erschienen ist, wirkt es erstaunlich aktuell. Themen wie Isolation, gesellschaftliche Strukturen, Freiheit und die Frage nach Menschlichkeit sind heute genauso relevant wie zur Zeit der Veröffentlichung und werden es vermutlich auch immer bleiben. Gerade in einer Welt, die sich ständig verändert und dennoch mit ähnlichen Grundproblemen konfrontiert ist, entfaltet der Roman eine zeitlose Bedeutung.
Das Buch regt zum Nachdenken an und bleibt auch nach dem Lesen im Gedächtnis. Ich kann es jedem empfehlen.
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